Remakes ohne Ende: Fällt Hollywood nichts mehr ein?

BaywatchLeser-Tipp

Im TV laufen momentan etliche Serien, die früher einmal Kinofilme waren. Und auch für die Leinwand holen die großen Studios immer wieder gerne Stoffe aus der Mottenkiste, die es vorher schon mindestens einmal gab. Warum ist das so und: Muss das sein?

Auch wenn ihr die Originale manchmal nur noch vom Hörensagen kennt: Inzwischen laufen viele Formate und Geschichten im TV und Kino, die es so oder ähnlich schon einmal gegeben hat – und es wird eher mehr als weniger. Wir klären für euch die Hintergründe und zeigen, was davon gute und was nicht ganz so gute Ideen sind.

Warum gibt es Remakes?

Remakes gibt es aus mehreren Gründen. Grundsätzlich werden fast nur erfolgreiche Originale noch einmal neu gemacht. Das bedeutet, das Studio hat mit dem Stoff bereits einmal viel Geld verdient und ist mehr als bereit, das zu wiederholen. So war "Predator" beispielsweise ein sehr erfolgreicher Schwarzenegger-Film im Jahr 1987, der später sogar einen gewissen Kultstatus erlangte. Weil Fortsetzungen deutlich weniger gut liefen, hat das Studio beschlossen, den ersten Film noch einmal zu drehen – oder zumindest so ähnlich. Die Studiobosse versprechen sich vom vergangenen Ruhm das Interesse neuer, junger Zuschauer, die das Original gar nicht kennen. Das gilt auch für "Mord im Orient-Express", der noch in diesem Jahr als Remake in die Kinos kommt – und dessen bekannteste Verfilmung bereits mehr als 40 Jahre zurückliegt.

Orient Express
Nach mehr als 40 Jahren erwacht der "Orient Express" wieder zum Leben (© 2017 Fox)

Ein weiterer, ebenfalls finanzieller Grund: In der Regel gehören dem Studio noch immer die Rechte am Stoff. Während "Harry Potter" oder "Der Herr der Ringe" extrem teuer eingekauft werden müssen, sind Geschichten, deren Rechte bereits vorliegen, deutlich günstiger umzusetzen. Denn ein neues Drehbuch ist vergleichsweise günstig, die Autoren gehören nicht zu den gut bezahlten Beteiligten an einem Film.

Das macht zusammen einen relativ risikolosen, relativ günstigen Film, den ein Studio deutlich eher riskiert als komplett neue Ideen, von denen man noch nicht weiß, ob sie beim Publikum ankommen.

Filme als Serien

Momentan ganz hoch im Kurs: TV-Serien, die einmal Kinofilme waren. So gibt es inzwischen TV-Ableger von "Lethal Weapon" und "Rush Hour" sowie "Taken" , "The Mist" und "Scream", weitere sind in Planung. Gab es vor Jahren noch den Trend, TV-Serien ins Kino zu holen ("Drei Engel für Charlie", "Das A-Team", "Mission Impossible"), hat sich das mittlerweile umgedreht (die Ausnahme "Baywatch" ginge gerade baden). Auch hier gilt: Mehrere erfolgreiche Kinofilme sprechen dafür, dass die Grundidee länger trägt – also auch für eine Serie. Und obwohl nicht alle Versuche von Erfolg gekrönt sind, wittern die Studios und Sender hier eine Menge Geld – und machen weiter.

The Mist
Vom Kinofilm zur Serie – dieses Schicksal erlebte kürzlich erst "The Mist" (© 2017 Chris Reardon/Spike)

Alte Serie – neue Serie

Auch Remakes von TV-Serien sind gerade angesagt. Das neueste Beispiel ist Supererfinder "MacGyver", der nach 25 Jahre nach seinem Serienende nun wieder ins Rennen geschickt wurde – und sogar eine zweite Staffel erhalten hat. Auch "Hawaii Five-0" basiert auf einer gleichnamigen US-Serie, die aber bereits aus den 60ern stammt. Die lief zwölf Jahre lang und ist nun schon zum zweiten Mal in der Neuauflage ein Quotenhit. Auch hier ist der Grund klar: Was einmal funktioniert hat, funktioniert auch wieder – Serien wie "Gilmore Girls" und "Full House" wurden ebenfalls wiederbelebt. Und auch Trashperlen wie "Knight Rider" sind im Gespräch, nochmals auf die Zuschauer losgelassen zu werden. Die Sender hoffen dabei auf alte und neue Fans, die so ein Format fast automatisch zum Hit machen.

MacGyver
Ist es ein Computerspiel? Nein es ist eine Szene aus der Neuauflage von "MacGyver" (© 2017 CBS)

Gibt es denn keine neuen Ideen?

Doch, ganz bestimmt. In jedem Jahr werden unzählige Drehbücher in Hollywood verfasst und den Studios zur Ansicht geschickt – aber aus den meisten wird weder ein Film noch eine Serie. Das hat viele Gründe, die wichtigsten sind am Ende des Tages aber erneut die Finanzen: Wird dem Projekt zugetraut, Gewinn zu machen, weil es genug potenzielle Zuschauer anspricht oder nicht? Lässt sich ein Megastar dafür erwärmen oder nicht? Woher kommt zusätzliches Geld? Lässt sich chinesisches oder indisches Geld locker machen, wenn man einen entsprechenden Stars castet?

All diese Überlegungen führen häufig dazu, dass die Studios und Sender auf Stoffe setzen, die es bereits einmal geschafft haben. Langweilig? Ja. Aber wohl nicht zu ändern. Von einem "Matrix"-Remake wird beispielsweise schon gesprochen. Künftige Generationen sehen bestimmt nochmal einen "Gladiator" um sein Leben kämpfen, die "Titanic" untergehen oder Frodo und Sam auf dem Weg nach Mordor. Das kann noch Jahre oder Jahrzehnte dauern – aber kommen werden sie ziemlich sicher.

Gute Remakes?

Aber man sollte auch nicht alles verdammen. Denn Remakes von schlecht umgesetzten Storys sind ja eine gute Sache. So krankte die TV-Version von "ES" beispielsweise an zu wenig Möglichkeiten, den Roman adäquat umzusetzen, das kann die Kinoversion nun besser machen. Die Remakes von "Scarface", "Infernal Affairs" (Remake ist "Departed") oder den "Sieben Samurai" (Remake heißt "Die glorreichen Sieben") wird wohl kaum jemand als überflüssig bezeichnen. Es ist also nicht immer schlecht, eine gute Idee mehrfach zu nutzen.

Scream
"Scream": Mittlerweile gibt es genug Spielfilme der Franchise, dass eine eigene Serie eigentlich nicht mehr nötig wäre (© 2017 MTV)

Und was ist mit Reboots?

Obwohl durchaus eng verwandt mit dem Remake, ist dieses Wort in Hollywood noch gar nicht so lange in Gebrauch – und auch gar nicht so schlimm. Als Reboots gelten Filme und Serien, die zwar mit der gleichen Grundidee arbeiten wie das Original, dann aber versuchen, etwas Neues daraus zu machen. Wohl kaum ein "Batman"-Fan wird es verurteilen, dass Christopher Nolan nach vier Filmen mit "Batman Begins" einen Reboot hingelegt hat. Und auch der "Planet der Affen"-Reboot kann sich absolut sehen lassen. Wenn sich Kreative finden, die uns eigentlich alte Kamellen in einem frischen Look präsentieren, darf das gern weitergehen. Vor allem dann ,wenn das Reboot deutlich näher am Geist der Vorlage ist als das Original ("Dredd" zu "Judge Dredd").

Fazit: Ein bisschen mehr Innovation, bitte

Nein, es ist nicht immer schlecht, eine bewährte Story nochmal ins Rennen um die Gunst des Publikums zu schicken. Aber ein wenig mehr Innovation als im Moment dürfte es schon sein, liebe Studios und Sender! Wir lassen uns im Kino und TV auch gern von neuen Ideen und Storys überraschen. Und nicht nur von altem Wein in neuen Schläuchen.

Noch mehr News und Meinung zu Filmen gefällig? Dann schaut doch mal, ob ihr in unserem Filme-Sammelsurium etwas zu eurem (zukünftigen?) Lieblingsstreifen findet.

Aufmacherbild: (© 2017 Paramount Pictures)

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