Bügel oder Stöpsel: Welcher Kopfhörer ist für mich der beste?

Libratone Q AdaptLeser-Tipp

Guten Sound will jeder – doch welcher Kopfhörer holt das Beste aus unserer Musik? In dieser Übersicht erfahrt ihr alles Wichtige zu In-Ears, On-Ears und Over-Ears.

Lange Zeit galten klobige Kopfhörer als obszöner Ballast, der höchstens im Wohnzimmer seinen Platz hatte, niemals aber in der Bahn oder sonstwo in der Öffentlichkeit. Unterwegs setzten wir uns lieber dezente In-Ears ein – so landet die Musik schließlich auch im Gehör. Diese Haltung hat sich in den letzten Jahren massiv umgekrempelt, nicht zuletzt durch ikonische Marken wie Beats, deren wuchtige Over-Ears den öffentlichen Raum belagern.

Sind die Audiophilen auf dem Vormarsch? Das ist nur ein Teil der Erklärung. Sicherlich sind viele Nutzer auch dem Chic der neuen Kopfhörer verfallen. Hochwertig wirkende Modelle mit großen Muscheln sind ein Statussymbol, vor allem wenn die richtige Marke auf den Gadget prangt. Wer auf der Suche nach einem neuen Kopfhörer ist, sollte jedoch auf mehr als nur auf das Design achten. Auch Klang und Komfort dürfen nicht zu kurz kommen. Doch wie finde ich im Wirrwarr der Modelle meinen perfekten Kopfhörer?

Offene oder geschlossene Kopfhörer

Fangen wir bei der Bauweise der Hörmuschel an: Bei den größeren Kopfhörern, die mit einem Bügel auf dem Kopf liegen, unterscheidet man zwischen geschlossenen, offenen und halboffenen Kopfhörern. Damit wird die Durchlässigkeit der Außenwand beschrieben, also wie viel Klang aus den Ohraufsätzen nach außen dringen kann.

Geschlossene Kopfhörer sind nach außen hin isoliert. Das bedeutet, dass kaum Geräusche eindringen können – und dass ebensowenig Klang aus dem Kopfhörer austritt. Die Vorteile liegen auf der Hand: In Bus und Bahn wird der Musikgenuss nicht durch die Umwelt beeinträchtigt. Durch die isolierte Bauweise fallen Bässe häufig deutlich heftiger aus. Dafür sind geschlossene Kopfhörer im offenen Straßenverkehr riskanter, denn Umgebungsgeräusche dringen nicht ans Ohr. Zudem kann der Klang unter der Isolierung leiden, es entstehen hörbare Resonanzen.

Beats Kopfhörer
Die großen, kabellosen Beats mit ihrer harten Außenschale gehören zu den geschlossenen Kopfhörern (© 2016 )

Ein offener Kopfhörer hingegen ist nach außen hin nicht abgedichtet, wodurch die Umwelt immer zum Teil hörbar bleibt. Auch der Ton der Kopfhörer selbst dringt nach außen, was für Sitznachbarn in der Bahn unangenehm sein kann. In der Regel bietet ein offenes Modell den besten Klang, denn es ist nicht so anfällig für Resonanzen wie bei der geschlossenen Bauweise. Offene Kopfhörer erzeugen einen sehr räumlichen Klang, sind wegen des empfindlichen Hörgefühls allerdings eher für ruhige Orte wie die eigenen vier Wände oder das Büro geeignet.

Der Beyerdynamic T5p bietet mehr als nur starken Sound.
Offene Kopfhörer wie der Beyerdynamic T5p können einen sehr natürlichen Klang erzeugen (© 2016 YouTube / beyerdynamic North America)

Mit halboffenen Kopfhörern findet ihr einen Mittelweg zwischen den obigen Bauweisen. Sie sind besser isoliert als offene Kopfhörer, wodurch weniger Außengeräusche eindringen. Eine gewisse Durchlässigkeit sorgt für natürlichere Bässe. Durch diesen Spagat können natürlich immer noch Geräusche von außen eindringen. Halboffene Kopfhörer eignen sich sowohl für zuhause als auch für unterwegs.

Libratone Q Adapt
Halboffene (oder halbgeschlossene) Kopfhörer wie der Libratone Q Adapt sollen das beste von beiden Welten bieten (© 2017 )

Bügelkopfhörer: On-Ears und Over-Ears

Neben der Durchlässigkeit der Ohrmuschel gibt es bei Bügelkopfhörern einen weiteren Unterschied: Die Polster legen sich entweder auf die Ohren – oder umschließen diese völlig. Dann ist entweder von On-Ear oder Over-Ear die Rede. Beide Bauweisen haben natürlich ihre Vor- und Nachteile.

On-Ear-Kopfhörer bieten eine gute Mischung aus Klang und Mobilität. Dank ihrer kompakten Bauweise passen sie gut in Tasche oder Rucksack, dennoch ermöglichen die mittelgroßen Hörmuscheln einen starken Klang. Einige Modelle lassen sich sogar zusammenfalten, sodass sie noch einfacher verstaut werden können. Wichtig bei On-Ears ist, dass sie dicht am Ohr abschließen, sodass der Kopfhörer ohne Verluste seine kleine Klangwelt aufbauen kann.

Beats Kopfhörer
Die Beats EP sind ein typischer On-Ear-Kopfhörer (© 2016 )

Die großen Over-Ears legen sich mit ihrem Polster komplett um das Ohr, sodass euer Gehör von einem deutlich größeren Raum umschlossen wird. So erzielen sie in der Regel ein präziseres Klangbild – und schaffen etwa bei Filmen ein kinoartiges Erlebnis. Mit ihren klobigen Muscheln sind sie unterwegs jedoch eher sperrig.

Bose QuietComfort 35
Over-Ears wie der Bose QuietComfort 35 sind bequem und legen sich komplett über das Ohr (© 2016 Bose)

Zum Vergleich: Over-Ears bieten zumeist den besseren Klang und Tragekomfort, wodurch sie sich optimal für den Heimgebrauch eignen. In freier Wildbahn sieht man sie häufig mit geschlossener Bauweise, damit das Klangerlebnis nicht durch den Umgebungslärm ruiniert wird. Wer viel unterwegs ist, sollte jedoch eher zu einem On-Ear greifen, denn dem gelingt die Gratwanderung zwischen Soundqualität und Komfort zumeist besser.

In-Ears: Kompakt und praktisch

Neben den großen Bügelkopfhörern gibt es natürlich auch die kleinen In-Ears, auch als Ohrhörer bekannt. Ganz klar: Kompakter als mit diesen Ohstöpseln geht’s nicht. Der Kompromiss ist ebenso offensichtlich: Während die großen Over-Ears und On-Ears mit ihren ausfallenden Hörmuscheln eine konzertartige Räumlichkeit erzeugen, schaffen nur wenige In-Ear-Modelle einen wirklich kolossalen Klang.

Das Stoffelement erzeugt einen wertigen Eindruck
Ohrhörer mit mit einem Gummiaufsatz wie der Libratone Q Adapt bringen die Ohren schön zum Brummen (© 2016 )

Dafür fällt es In-Ears deutlich einfacher, einen satten Bass ins Ohr zu legen, da die meisten Modelle wie ein Propfen direkt auf dem Gehörgang liegen. Dadurch riegeln sie die Außenwelt hermetisch ab und können trotz ihrer mickrigen Größe einen bombastischen Klang erzeugen. Jeder weiß: Die kleinen In-Ears sind immer ein zuverlässiger Begleiter, ganz egal ob ihr joggen geht oder eine Serie auf dem Tablet schaut.

Von den einfachen Artgenossen namens Ear-Buds ist allerdings abzuraten. Das sind die die günstigen kleinen Hörkapseln, die häufig bei Smartphones oder anderen Elektronikgeräten beiliegen. Klar, Ton können sie zwar wiedergeben, aber mangels der Verlängerung in die Gehörgänge haben sie gegen die bassstarken In-Ears nicht den Hauch einer Chance. Eine der wenigen Ausnahmen sind etwa die klassischen Apples EarPods, die trotz einfacher Bauweise einen guten Sound produzieren.

ear-buds
Kommen oft mit dem Smartphone: Ear-Buds sind ok – für besseren Sound darf es aber etwas anderes sein. (© 2018 Unsplash/sabrituzcu)

Fazit: Nicht die Größe macht den Kopfhörer

Damit ist die Liste der entscheidenden Faktoren leider immer noch nicht zu Ende. Neben Soundqualität und Tragekomfort kommt es natürlich auch auf die Verarbeitung an – und nicht zuletzt auf das ganz persönliche Hörgefühl. Denn jeder hat seine ganz eigenen Vorlieben: Mal soll es möglichst viel Bass sein, mal sind klare Akzente bei Mitten und Höhen wichtig.

Auch solltet ihr euch fragen: Wo schließe ich meinen Kopfhörer an? Ein High-End-Headset mit einem 08/15-Smartphone zu verbinden, das bringt leider wenig. Im Umkehrschluss solltet ihr jedoch auch für die S-Bahn niemals das billigste der billigen Modelle einpacken. Eure Ohren werden es euch danken. Für Bügelkopfhörer lauft ihr am besten einfach mal in den nächsten Fachhandel und probiert ein paar Modelle aus – natürlich mit der Musik, die ihr am liebsten hört.

Aufmacherbild: (© 2017 )

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