Der Trainingsklassiker: Fakten, Tipps und Apps rund ums Fitnessstudio

Fitness-StudioLeser-Tipp

Trainiert ihr schon oder faulenzt ihr noch? Wie es um die aktuellen Studiotrends hierzulande bestellt ist, wie ihr das richtige Studio findet und welche Apps euch beim Training unterstützen, weiß Guru Christine.

Die Fitnessbranche wächst und wächst: In zehn Jahren hat sich die Zahl der Fitnesstreibenden hierzulande verdoppelt. Heute schwitzt und stemmt statistisch jeder Neunte in einem Fitnessstudio – also knapp 12 Prozent der Bevölkerung. Das sind rund 9,5 Millionen Menschen (gegenüber dem Vorjahr bedeutet das ein Plus von 4,2 Prozent). Ermittelt wurden diese Zahlen in einer aktuellen Studie des Arbeitgeberverbandes deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen (DSSV) zusammen mit der Unternehmensberatung Deloitte und der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement. Bis 2020 wird ein weiteres Wachstum bis zu 12 Millionen Fitnessstudio-Mitgliedern erwartet. Aber welche Studios sind eigentlich besonders gefragt? Wo liegt die Preisspanne, wann ist ein guter Trainingstag und mit welchen Apps findet ihr Trainingsunterstützung?

Zusatz- und Gesundheitsangebote sind gefragt

70 Prozent der Neumitglieder binden sich laut der Studie für zwei Jahre an ein Fitnessstudio, weil bei längeren Laufzeiten auch die Mitgliedsbeiträge niedriger sind. Dafür sind die Mitglieder aber gerne bereit, sich auch nach dem Training etwas für Gesundheit und Wohlbefinden zu gönnen: Massagen, Proteinshakes, Fitnesskleidung – das Shop- und Dienstleistungsangebote wird immer breiter. Auch Personal Training wird immer beliebter und dementsprechend öfter dazu gebucht. Eine Zielgruppe, die für Fitnessstudios immer interessanter wird, sind ältere Menschen. Die wollen nämlich immer häufiger auch aktiv etwas für ihre Gesundheit tun und suchen sich passende Studiokonzepte. Für Rentner und Studenten gibt es übrigens oft Rabatt, wenn sie nicht zu den Stoßzeiten nach 17 Uhr trainieren, sondern vormittags. Also schnappt euch Oma und Opa und startet das ultimative Familientraining!

Mikrostudios mit speziellem Angebot und guter Betreuung punkten

Leider baut die Fitnessbranche aber stetig an Personal ab, wie die Studie zeigt. So werden an falscher Stelle Kosten eingespart. Dabei scheinen immer mehr Menschen Wert auf eine gute Trainingsbetreuung zu legen, denn vor allem die Special Interest Studios wachsen. Das sind Mikrostudios, die sich ein breites Angebot sparen und stattdessen den Fokus auf einen Trainingsschwerpunkt legen und zwar im Kleingruppenformat mit intensiver Betreuung. Dazu zählt zum Beispiel "Mrs. Sporty", das Franchisekonzept für Frauen von Steffi Graf, spezielle Crossfit-Boxen, Yoga-Studios oder Zirkeltraining, aber auch EMS-Studios, in denen man mithilfe von Elektromyostimulation Muskeln zum Wachsen bringt. Hauptsächlich in Großstädten wie Hamburg oder Berlin boomen die Mikrostudios mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent. Nur ein Fünftel der Studios hingegen sind Discountketten wie McFit oder FitX etwa. Auch die sind aber auf Wachstumskurs – ebenso wie die teuren Premiumstudios mit ihrem Rundum-Angebot. Die Mittelklasse-Studios schwimmen in der Mitte mit.

Unter Strich bleiben wir trotzdem eine faule Nation

Unterm Strich muss man leider sagen, dass zwar die Zahl der Studiomitglieder stetig steigt, am Ende aber trotzdem nur ein Drittel der Deutschen sportlich aktiv ist. Zwei Drittel der Deutschen machen also offiziell keinen Sport, was uns statistisch eher zu einer faulen Nation macht. Hierbei kann man auch nicht darauf schließen, dass eine Großzahl der Nicht-Studiomitglieder sich lieber beim Fußball oder Tennis austobt, denn die Mitgliederzahlen der Sportvereine hierzulande steigen seit Jahren nicht nennenswert.
Im europäischen Sportlichkeitsvergleich liegt Deutschland übrigens nur im Mittelfeld. Die Skandinaven sind deutlich sportlicher, nach uns kommen noch die gemütlichen Südländer am Mittelmeer.
Fraglich bleibt auch, ob die 9,5 Millionen  deutschen Fitnessstudio-Mitglieder auch wirklich regelmäßig zum Training gehen. Wer schließt nicht alles einen Vertrag ab und bereut es dann, weil er sich einfach nicht motivieren kann? In den ersten zwei Monaten sei die Trainingsrate neuer Studiomitglieder noch am höchsten – danach lassen sich die meisten aber nicht mehr so oft im Studio blicken wie zu Beginn. Nur 15 bis 20 Prozent der Mitglieder trainieren mehr als vier Mal in der Woche, fand die DSSV-Studie heraus.

Montags und dienstags sind die Studios rappelvoll

Wenn ihr auch Mitglied in einem Fitnessstudio seid oder nach der Lektüre dieses Berichtes werden wollt: Geht am besten erst ab Mittwoch trainieren. Die allgemeine Motivation – oder das schlechte Gewissen – scheint nach dem Wochenende noch besonders hoch zu sein, denn am Montag und Dienstag sind die Studios deutlich frequentierter als Ende der Woche.
Und wenn ihr noch nicht viele Studioangebote verglichen habt und euch fragt, was so eine Mitgliedschaft im Schnitt eigentlich kostet: zwischen 26 und 66 Euro veranschlagen knapp 70 Prozent der Anbieter, weiß DSSV-Geschäftsführer Refit Kamberovic.

App-Unterstützung fürs Studio

Nichts ist demotivierender als mangelnder Trainingserfolg. Den erfahrt ihr natürlich nur, wenn ihr euer Training regelmäßig variiert und anpasst. Trainiert ihr in einem Discount-Studio, wo euch gute Betreuung fehlt? Oder die Aktualisierung eures Trainingsplans ist euch zu teuer? Sofern ihr eine Geräteeinweisung vor Ort hattet, könnt ihr euch fortan an Apps wie diese halten: "Fitness Point" für iOS ist kostenlos und stellt euch nicht nur Trainingspläne auf, sondern hilft euch auch, euren Trainingsfortschritt festzuhalten. Außerdem verfügt die App über einen Timer für Belastung und Pause. Mit der kostenlosen App "LOOX Fitness Planer" für iOS und Android  stehen euch 300 Trainingspläne zur Verfügung: Neben Zirkeltraining findet ihr Split-Pläne, Ganzkörper-Training und Functional Training fürs Studio. Wenn ihr eine Herausforderung sucht, wagt euch doch mal an Klimmzüge am Functional Training Tower – mit unserer Anleitung klappt es bestimmt!

Fitness Point App
Fitness Point (© 2016 )

Wie finde ich das richtige Fitnessstudio?

Wollt ihr den sportlichen Finnen, Norwegern, Schweden und Dänen Konkurrenz machen?Zugegeben, wer trainieren möchte, hat die Qual der Wahl, das kann ganz schön überfordern. Hier folgen ein paar Tipps, die euch bei Suche nach dem richtigen Studio helfen.

  • Ist die Anbindung zum Studio gut, zum Beispiel auf dem Heimweg von der Arbeit nach hause? Brauche ich vor Ort einen Parkplatz? Es ist wichtig, diesen Punkt direkt mitzubedenken. Sonst geht am Ende doch nicht trainieren, weil die nervige Parkplatzsuche extrem abturnen kann.
  • Wie wichtig sind mir Sonderleistungen wie Kinderbetreuung, einen Handtuch-Waschservice oder eine Getränke-Flatrate?
  • Wenn ich Kurse machen möchte, sollte ich mir den Kursplan vorher ansehen (Passt das zeitlich?) und auch einen Kurs ausprobieren.
  • Schaut auf der Website, ob zumindest ein Teil der Trainer spezielle Fachausbildungen hat (etwa staatlich anerkannte Sport- und Gymnastiklehrer, Sport-Physiotherapeuten oder lizensierte  Aerobictrainer).
  • Möchte ich zusätzlich auch Wellness-Angebote nutzen (Sauna, Solarium, Massage, Schwimmen, Beauty-Behandlungen)?
  • Habe ich gesundheitliche Probleme und brauche dafür spezielle Geräte, Betreuung?
  • Lege ich Wert auf eine Ernährungsberatung und Diätprogramme?
  • Wünsche ich mir ein Gastronomie- und Shopangebot?
  • Fühle ich mich wohler in einer großen Anlage mit vielen Möglichkeiten und anonymen Charakter oder brauche ich es etwas kuscheliger, um mich wohl zu fühlen?
  • Für Mädels: Schüchter euch harte Jungs in Muskelshirts ein? Dann sucht euch ein Frauenfitnessstudio oder ein Studio mit abgegrenztem Trainingsbereich für Mädels.
  • Wie oft stellen die Trainer mir einen neuen Trainingsplan zusammen und ist das im Preis inbegriffen?
  • Wie erfolgt der Eingangscheck und die Geräteeinweisung: Gibt es eine Körperfettanalyse-Waage und ein ausführliches Gespräch mit einem qualifizierten Trainer?
  • In welchem Zustand sind die Geräte? Fragt direkt nach, wie oft sie gewartet und erneuert werden.
  • Wie ist die Stimmung, Atmosphäre und Sauberkeit vor Ort?
  • Nehmen sich Trainer Zeit für mich, schon beim Probetraining?
  • Fragt Studiomitglieder in der Umkleide, wie zufrieden sie sind und ob das Studio immer so voll beziehungsweise leer ist.
  • Achtet auf versteckte Kosten, das Kleingedruckte und die einmalige Bearbeitungsgebühr bevor ihr einen Vertrag unterschreibt!
  • Faire Studios lassen den Vertrag auch ruhen, sollte Mitglieder länger krank sein oder auf Reisen. Wer weiter als 20 Kilometer wegzieht, kann oft auch vor Vertragsende kündigen – das solltet ihr im Vertrag checken.
  • Schlaft eine Nacht drüber, bevor ihr euch für zwei Jahre bindet und testet ruhig mehrere Studios.
  • Achtet auf Angebote: Viele Studios bieten mehrmals im Jahr Rabatte.
  • Verabredet euch mit Freunden und bringt sie mit ins Studio: Das motiviert nicht nur, sondern beschert euch oft auch Frei-Monate oder Rabatt auf euren Vertrag.

Wenn ihr mit diesen Fragen im Hinterkopf zum Probetraining geht, findet ihr bestimmt bald das richtige Angebot ohne Reue – vorausgesetzt ihr schafft es, die Motivation hochzuhalten.

Hautpsache fit: Ob im Studio, zuhause oder draussen

Wenn ihr am Ende zu dem Schluss kommt, dass so ein Studio einfach nicht das Richtige für euch ist und ihr lieber zu den zwei Dritteln Nicht-Mitgliedern gehören wollt, ist das kein Grund, ganz zu versagen: Wenn ihr zum Beispiel gerne Fitnesskurse macht, ist ein Online-Fintesstudio vielleicht das Richtige für euch. Oder ihr nutzt die Gunst der Jahreszeit und schnürt die Laufschuhe. Neben den klassischen Lauf-Apps haben wir euch in den letzten Wochen auch diverse Anwendungen fürs SchwimmenSeilspringen, Yoga und Fitnessprogramm im Freien vorgestellt. Egal, für was ihr euch entscheidet: Dranbleiben ist alles, denn moderates Training hält nicht nur den Körper fit, sondern auch den Geist. Abschalten könnt ihr dabei auch super, also nichts wie los!

Aufmacherbild: (© 2016 iStock/Anya Berkut)

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