Beste Freundin gesucht: Neuer Job, neue Stadt, nur wo finde ich die Eine?

Beste FreundinnenUPDATELeser-Tipp

An welchen Orten und auf welchen Plattformen findet man als Erwachsener heute noch eine neue beste Freundin? Guru Christine kennt als frisch Zugezogene ebendiese Hürden und hat durch verschiedene Apps und Webseiten Anschluss gesucht. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?

Damals im Sandkasten haute sie mir mit einer Sandschaufel fest auf dem Kopf. Ich brüllte –und sie? Wurde meine beste Freundin. In der Grundschule war es das Mädchen, das mir am ähnlichsten war: Wir waren unzertrennlich – bis wir uns zerstritten, weil wir auch ähnlich stur waren. Auf dem Gymnasium wurde das Mädchen, das ganz anders war als ich, meine bessere Hälfte – bis das Studium unsere Wege trennte. Im großen Audimax wurde es dann schon schwieriger Anschluss zu finden, aber wofür gibt es schließlich WGs, Studentenpartys und Hochschulsport? Aber danach folgt die größte soziale Durststrecke: Wenn die Karriere dich in eine neue Großstadt führt.

Ein neues Kapitel mit unerwarteten Herausforderungen

Nach dem Studium beginnt ein ganz neues Kapitel. Erwachsen werden? Geht klar. Job finden? Check. In einer fremden Großstadt eine Wohnung finden? Überraschenderweise war auch das bei mir ein Klacks. Ganz im Gegensatz dazu, hier auch schnell Anschluss zu finden.
"Ach Christine, du bist doch so aktiv, rennst ständig ins Fitnessstudio oder auf Partys und bist immer überall dabei." Das sagen meine Lieben aus der Ferne. Eigentlich haben sie Recht, aber trotzdem: Es ist verdammt schwer, weil in Großstädten heute jeder mit sich selbst beschäftigt ist, alle von A nach B hetzen und fremde Leute anquatschen einfach nicht mehr zum guten Ton gehört.

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Sieht man als frisch Zugezogene beste Freundinnen in der neuen Stadt, könnte man glatt ein bisschen neidisch werden. (© 2015 iStock.com/Mixmike)

Eignen sich Dating-Apps auch für platonische Beziehungen?

In Dating-Apps tummeln sich viele offene Menschen, die auf der Suche sind – nach Beziehungen, Abenteuern oder Begleitungen für Freizeitaktivitäten. Viele verraten praktischerweise in ihrem Profil auch direkt, was sie sich wünschen. Ob Männer und Frauen Freunde sein können? Schon irgendwie: Einige Dates aus Tinder und Co., bei denen es auf beiden Seiten nicht gefunkt hat, sind inzwischen treue Kumpanen, wenn es darum geht, gemeinsam abzuhängen, Fußball zu gucken oder eine Radtour zu machen. Aber flauschige Frauengespräche sind hier deplatziert. Darum wechsle ich einfach mal die Seiten: "Auf der Suche nach: Frauen" gebe ich in den Einstellungen der Single-App an. Und: Es folgen Matches und Nachrichten.

Bin ich die Erste, die schreibt, spiele ich direkt mit offenen Karten beichte, dass ich nicht auf der Suche nach homosexuellen Beziehungen bin, sondern dass ich neu in der Stadt und Bekanntschaften knüpfen möchte. "Niedlich", finden das einige – sind dann aber nicht mehr interessiert. Andersherum werde ich auch von netten Ladys angeflirtet: Schmeichelhaft, aber auch hier räume ich Missverständnisse direkt aus der Welt und ernte dann ein: "Oh, das ist aber schade, bist du dir ganz sicher? Freunde hab ich schon genug und mit deinem Anliegen wirst du auf dieser Plattform vermutlich keinen Erfolg haben." Leider behält die Gute Recht, denn auch weitere Anschreiben an Mädels, die sich auf ihren Pics locker und unternehmungslustig zeigten, werden ignoriert. Nächste Plattform, bitte.

Tinder
Tinder ist dann doch eher was für amouröse Dates... (© 2016 )

Das Nett-Werk und die Mädels-Stadt-Gruppen auf Facebook

Mein nächster Versuch gilt den Facebook-Gruppen. Im "Nett-Werk" meiner neuen Heimatstadt (gibt's aber für viele Städte) habe ich schon früher kurzfristig liebe Umzugshelfer gefunden und eine unterhaltsame Community auf diversen "Neu in Hamburg"-Gruppenstammtischen. Nur die Eine fehlt mir noch, die eine beste Freundin, an guten, wie an schlechten Tagen, durch dick und dünn und so. Also suche ich gezielt nach passenderen Gruppen – und finde: "Neu in Hamburg only Girls". Hier gibt es viele aufgeweckte Mädels, die ebenfalls Anschluss suchen, indem sie Veranstaltungen online stellen. Zu denen melden sich auch oft zehn bis dreißig Mädels an und drei bis acht erscheinen wirklich zu den Treffen.
Ganz gleich, wie unterhaltsam der Abend verläuft, die neuen Facebook-Freundschaften bleiben – obwohl "wir uns uuuunbedingt alle mal wieder treffen sollten" – meistens sehr flüchtig. Aus den Augen aus dem Sinn. Bei jeder weiteren Veranstaltung erzählt man also immer und immer wieder dasselbe: wer man ist, wo man herkommt, was man so macht. Das wird mir persönlich irgendwann einfach zu anstrengend.
Wer allerdings mehr Durchhaltevermögen hat, dran bleibt und immer wieder nach Verabredungen fragt, kann bestimmt irgendwann die – oder zumindest eine – Eine an ihrer Seite wähnen.

Beste Freundin gesucht: Das Online-Portal

"Beste Freundin gesucht" ist ein kostenloses Online-Netzwerk explizit für Frauen. 40.000 Nutzerinnen sind bereits dort angemeldet, dabei gibt es das Portal erst seit Anfang 2015. Das Prinzip ist so simpel wie genial: Ohne Registrierung könnt ihr direkt auf der Startseite stöbern, welche "Kontaktanzeigen" euch erwarten. Ihr gebt eure Postleitzahl ein und könnt zusätzlich nach Alterspannen und dem Zweck der Freundschaft wählen: Sucht ihr eine beste Freundin oder wollt ihr generell euren Freundeskreis erweitern? Vielleicht wollt ihr euch auch nur per Mail austauschen? Oder sucht eine Sport- oder Reisebegleiterin? Dementsprechend werden euch dann Suchanzeigen ausgespuckt. Die sind meistens sogar sehr ehrlich, umfangreich und liebevoll geschrieben. Darunter gibt es auch jeweils einen hilfreichen Steckbrief für die wichtigsten Gemeinsamkeiten auf einen Blick:

  • Filme und Serien
  • Musik
  • Bücher
  • Reiseziele
  • Lieblingsorte in der näheren Umgebung
beste-freundin-gesucht.de
Die Startseite des kostenlosen Portals für Mädels: beste-freundin-gesucht.de (© 2016 beste-freundin-gesucht.de)

Ich fühle mich auf Anhieb wohl auf der Plattform und erstelle ebenfalls ein Profil. Viele Mädels sind mir direkt sympathisch, sodass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Fotos gibt es hier nicht, nur Avatare. Das stört mich aber gar nicht. Einer Frau schreibe ich einfach mal eine persönliche Nachricht und sie antwortet sogar noch am selben Tag. Ich persönlich schaue nicht täglich in das Portal, werde aber auf Wunsch per Mail über neue Nachrichten informiert. Außerdem gibt es auf der Seite einen schönen Blog und diverse Stadt-Stammtische. Aber gerade das suche ich ja nicht mehr, sondern lieber eins-zu-eins-Konversationen.
Nach wenigen Tagen kommt meine erste Zuschrift – erstaunlicherweise sogar aus meinem direkten Stadtteil. Die beinahe-Nachbarin und ich scheinen viele Gemeinsamkeiten zu haben und treffen uns bald ganz klassisch auf einen Kaffee. Ich bin seltsamerweise aufgeregter als vor einem Tinder-Date mit einem fremden Mann! Vielleicht liegt es daran, dass es mir mittlerweile wirklich wichtiger geworden ist, eine gute Freundin an meiner Seite zu wissen, als einen Lebensabschnittsgefährten. Und ganz ehrlich: Mit wem soll ich denn sonst auch später Junggesellinnen-Abschied feiern? Na bitte, meine Priorität steht fest.

Fazit: Wo findet man sie denn nun, die neue besten Freundin?

Egal ob eure Freundinnen alle Mama geworden sind oder ihr euch inhaltlich oder räumlich voneinander getrennt habt, gebt Suchanzeigen wieder eine Chance – egal ob oldschool in einer Zeitung, klassisch auf einer Webseite oder zwischendurch in den sozialen Netzwerken. Denn wer suchet, der findet. Werdet am besten selbst aktiv und schreibt, welche Art Freunde ihr euch an eurer Seite wünscht oder schlagt konkrete Aktivitäten vor. Und dann heißt es Dranbleiben, denn jeder von uns ist heute wahnsinnig beschäftigt, also nicht verzagen, wenn nicht direkt eine Verabredung zustande kommt oder keine zweite folgt. Geduld braucht ihr vor allem für die Facebook-Mädels-Gruppen, die es in jeder Stadt gibt. Die sind echt hilfreich, aber, mein Tipp: Haltet euch erstmal nur an ein, zwei Personen, die ihr besser kennenlernen möchtet und zeigt Interesse. Massentreffen sind auf Dauer anstrengend und wenig "folgenreich". Keine Chance auf der Freundinnen-Suche gebe ich den Dating-Apps: Einen Versuch war es wert, aber der Sinn hinter Tinder und Co. ist schließlich ein ganz anderer und so stößt man Flirtwilligen unnötig vor den Kopf.

In den USA ist die Freundinnen-App "Hey!Vina" populär wenn es darum geht, platonische Kontakte zu Mädels zu knüpfen. Nur hierzulande ist die App, die es auch erst seit 2015 gibt, noch nicht sonderlich populär und hat daher auch nicht viele Mitglieder in der Nähe.

Wer bereit ist, ein paar Zeilen mehr zu tippen, der ist in dem Portal "Beste Freundin gesucht" an der richtigen Adresse: Hier stellt man sich erstmal schriftlich vor, und ist gut damit beraten, auch ein bisschen Zeit und Mühe ins Profil sowie einige persönliche Nachrichten zu investieren. Im dazugehörigen Blog der Seite findet ihr aber auch nützliche Profil-Tipps. Letztlich sind Freundschaften auch Beziehungen und darum gibt es viele Parallelen zur Partnersuche: Man sollte schon wissen, was man möchte und welche Charaktere und Interessen zur eigenen Person passen. Wer hier ernsthaft, aber offen und ohne Erwartungsdruck Initiative zeigt, wird belohnt. Bei mir jedenfalls scheint es prima zu klappen und ich bin mittlerweile um drei klasse Freundinnen reicher: Eine verdanke ich der unkomplizierten Plattform bestefreundingesucht.de, eine weitere mit etwas Geduld einer Facebook-Gruppe und die Dritte im Bunde hab ich beim Sport kennengelernt.

Darüber hinaus ist mein Ziel, auch im echten Leben wieder häufiger Leute direkt anzusprechen, wenn sie mir sympathisch sind. Ich freu mich jedenfalls auf alle Begegnungen, die da noch so kommen mögen, egal ob analog oder digital.

Aufmacherbild: (© 2016 istock.com/DusanManic)

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