Netzbetreiber zeigten in Barcelona das Anwendungspotenzial von 5G

04. April 2019

5G war das beherrschende Thema während des Mobile World Congress (MWC). Und das, obwohl es auf der ganzen Welt noch kein einziges flächendeckendes Netzwerk gibt, noch kein mobiles Endgerät über die Verkaufstische ging und in vielen Ländern – inklusive Deutschland – noch nicht einmal die Frequenzen vergeben sind. Trotzdem zeigten Gerätehersteller die ersten 5G-Smartphones, Chiphersteller stellten 5G-Halbleiter für Endgeräte vor und Netzwerkhersteller präsentierten die notwendigen Komponenten zum Aufbau von Netzen, die Daten mit hoher Bandbreite und geringer Latenzzeit übertragen.

Mit 5G vernetzte Fahrzeuge könnten helfen, die Verkehrssicherheit zu verbessern.

5G-Anwendungen in der Praxis

Die Netzbetreiber hoben 5G derweil auf eine praktische Ebene. Sie fokussierten ihre Auftritte in Barcelona auf 5G-Anwendungsbeispiele. So demonstrierte Telefónica zusammen mit dem Autohersteller Seat und weiteren Partnern konkrete Szenarien rund um das vernetzte Fahren – eine Anwendung, bei der 5G vor allem wegen der geringen Latenzzeit als Schlüsseltechnologie gilt. Die Demos im Rahmen des Forschungsprojekts 5G Barcelona zeigten unter anderem, wie sich die Verkehrssicherheit mit Edge-Computing (Rechenleistung im Endgerät oder Sensor statt aus der Cloud) verbessern lässt: Wärmebildkameras an Ampeln erkennen Fußgänger und machen Fahrzeuglenker in der Nähe auf sie aufmerksam, vernetzte Fahrräder kommunizieren mit den Autos in der Umgebung, um Kollisionen abzuwenden und PKW stehen untereinander in Kontakt, um Auffahrunfälle zu verhindern.

Weniger auf Latenzzeit, dafür auf die hohe Bandbreite von 5G setzt das weltweit erste fahrzeuginterne 5G-Entertainment und 4K-Video-Streaming. Bandbreite ist auch das schlagende Argument für die schon erfolgte Aufrüstung des 4G-Netzes im Camp Nou-Fußballstadion. Was die schnelle 5G-Datenübertragung zu leisten im Stande ist, demonstrierte Telefónica gemeinsam mit Ericsson und dem FC Barcelona. Die Besucher des MWC konnten in einer Virtual Reality Anwendung Live-Bilder aus dem Stadion und vom Training der Profimannschaft sehen, die über die neue Infrastruktur übertragen wurde.

Fernunterstützung bei Operationen

Sowohl auf kurze Latenzzeit als auch auf hohe Bandbreite kam es bei einer anderen spektakulären 5G-Demo an. Dr. Antonio Maria de Lacy, leitender Arzt der Gastroenterologie der Hospital Clínic Barcelona, überwachte in einem Kongresssaal des MWC eine Operation, die im Universitätsklinikum stattfand. Er konnte auf einem Monitor genau verfolgen, was das Ärzteteam am Operationstisch machte und den Operateuren aus der Ferne Ratschläge geben – mündlich und über den Monitor, auf dem er Gebiete mit einem Stift markieren konnte, um das OP-Team auf etwas aufmerksam zu machen. Der Bildschirminhalt wurde dupliziert und per 5G in nahezu Echtzeit in den Operationssaal übertragen. So wird es möglich, Expertenwissen überall dorthin zu bringen, wo es benötigt wird und wo eine 5G-Abdeckung vorhanden ist. Die Folge: Es könnten künftig viele Operationen auch außerhalb der medizinischen Zentren durchgeführt werden, die heute wegen fehlender Fähigkeiten der Ärzte vor Ort nicht möglich sind.

5G ist die Zukunft, aber 4G ist heute wichtiger denn je

Wer nach dem Besuch des MWC oder aufgrund der Berichterstattung den Eindruck gewonnen hat, das Ende der 3G- und 4G-Netze wäre nah, der liegt falsch. Ganz im Gegenteil wird 4G laut einer Studie der GSMA in den nächsten Jahren sogar einen Aufschwung erleben. 4G bietet auch weiterhin die Geschwindigkeit, die typische Smartphone-Nutzer benötigen. Der Anteil des weltweiten mobilen Datenverkehrs, der über LTE-Verbindungen läuft, wird in den nächsten sechs Jahren von heute 43 Prozent auf 60 Prozent steigen. 5G-Netze werden dann immerhin schon 15 Prozent aller mobilen Daten übertragen. Keine schlechte Prognose, wenn man sich vor Augen hält, dass bisher noch kein einziges 5G-Netzwerk in kommerziellem Betrieb ist.

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