Spotify, Napster, Deezer & Co.: Die Musik-Streaming-Anbieter im Vergleich

Musik

Spotify, Apple Music, Napster, Amazon Prime Music oder Deezer: Bei der Suche nach einem Anbieter für das Musik-Streaming habt ihr mittlerweile die Qual der Wahl. Doch welcher Dienst ist am besten für euch geeignet? Unser Vergleichstest zeigt, auf welchen Gebieten die Stärken der jeweiligen Anbieter liegen.

Welcher Streaming-Dienst darf es sein?

Egal, für welche Genres euer Herz schlägt: Mit den hier vorgestellten Streaming-Diensten bekommt ihr ausreichend Material auf die Ohren. Dabei ist es egal, ob ihr einfach nur mal das neue Album der Beginner hören wollt oder auf eine musikalische Entdeckungsreise geht, um eure Kenntnisse im Bereich Free Jazz aufzufrischen. Per Offline-Funktion speichert ihr eure Playlisten ab, und wenn ihr in einem WLAN-Netz seid, habt ihr Zugriff auf Radiosender, die ihr selbst optimiert habt. Zuhause genügt ein Klick in der App, und ihr hört die Musik einfach weiter über kabellose Lautsprechersysteme. Bei der großen Anzahl an Streaming-Anbietern fällt es jedoch schwer, den Überblick zu behalten. Wir nehmen sie daher genau unter die Lupe und verraten, was für euch den Ausschlag geben könnte.

Spotify: Der Gigant am Markt

Spotify ist allein aufgrund der Nutzerzahlen der Platzhirsch auf dem Feld der Musik-Streaming-Dienste. Eigenen Angaben zufolge wird der Dienst mittlerweile von über 100 Millionen Menschen benutzt. Davon nutzen etwa 30 Millionen der User einen kostenpflichtigen Account. Für alle Nutzer gilt jedoch: Die Arten, auf die ihr Musik genießen könnt, ist sehr vielfältig. Da wäre einerseits der "Entdecken"-Bereich, in dem euch Spotify Playlisten und Künstler aufgrund eurer gehörten, favorisierten oder gespeicherten Musik vorschlägt. Darüber hinaus erstellt Spotify jeden Montag für jeden User seinen eigenen Mix der Woche: Hier wird die zuletzt gehörte Musik analysiert und in 30 Song-Empfehlungen gepackt.

Zudem gibt es eine intuitiv einsetzbare Radio-Funktion: Während der Wiedergabe eines Songs oder einer Playlist aktiviert ihr über einen einfachen Klick auf das sogennante "Künstler-Radio". Spotify versucht dann, euch ähnliche Tracks vorzuspielen, die ihr entweder als passend oder unpassend markieren könnt. Das beeinflusst dann wiederum die nächsten Titel, die angespielt werden. So nähert ihr euch sprichwörtlich (Musik)Stück für Stück eurem Lieblingssender. Ein weiteres Gimmick ist für Sportler interessant: Mit der Running-Funktion bekommt ihr Playlists mit Tracks, die perfekt zu eurem jeweiligen Tempo passen sollen. Wie gut das funktioniert, haben wir in einem Test zu Spotify Running bereits für euch ausprobiert.

Praktisch ist das Familienangebot von Spotify: Jedes weitere Familienmitglied erhält 50 Prozent Rabatt auf sein Monatsabo.  Damit könnt ihr Playlisten auf eurem Smartphone, Mac oder PC abspeichern und dann ohne Internetverbindung anhören. Die Grenzen liegen einzig und allein in der Größe des Smartphone-Speichers beziehungsweise eurer Micro-SD-Karte. Zudem ist die Einstellung der höchsten Audioqualität ebenfalls Premium-Kunden vorbehalten. Die Nutzung von Spotify Connect ist ebenfalls nur im bezahlten Abonnement möglich. Mit dieser Funktion verbindet ihr die App direkt mit kabellosen Lautsprechern.

Spotify ist der Platzhirsch unter den Anbietern
Spotify ist der Platzhirsch unter den Anbietern (© 2015 )

Deezer: Der Herausforderer

Deezer ist ein französischer Anbieter, der seit 2007 am Markt ist. Nutzerzahlentechnisch hängt er Spotify meilenweit hinterher:  Hier sind es 16 Millionen User, von denen etwa 6 Millionen eine Bezahlvariante nutzen. Deezer bietet zahlenden Kunden ähnliche Funktionen wie Spotify, so ist etwa das Abspeichern von Playlisten hier ebenfalls möglich. Praktisch sind kleinere Features wie etwa das optionale Einblenden von Liedtexten oder die Möglichkeit, den Speicherplatz für Offline-Playlisten zu begrenzen. Wer bei Deezer kein Abo abschließt, muss ebenfalls gelegentliche Werbeeinblendungen über sich ergehen lassen.

Die "Flow"-Funktion entspricht in etwa der Radio-Funktion bei Spotify. Hier wird für euch ein Mix bereitgestellt, der sich an bisherigen Favoriten und Playlisten orientiert. Nur bei den Kosten ist Deezer nicht ganz so spendabel wie Spotify: Während es bei Spotify einen Tarif für Familie und Freunde gibt, muss hier jeder User die obligatorischen 9,99 Euro im Monat bezahlen. Auch ein vergleichbarer Rabatt wie der Studententarif von Spotify für 4,99 Euro ist bei Deezer nicht vorhanden.

Apple Music: Der Newcomer

Apple stieg mit seinem Angebot erst vergleichsweise spät in den Markt ein: Seit Juni 2015 gibt es den Streaming-Anbieter. Trotzdem kann der Dienst bereits auf insgesamt 11 Millionen zahlende Kunden verweisen. Zahlreiche Nutzer dürften sicherlich noch an dem dreimonatigen Testabonnement Gefallen finden. Dieser Testzeitraum ist durchaus großzügig, die Konkurrenten bieten maximal einen Testmonat an – Deezer sogar nur 15 Tage.

Dafür hat Apple Music auch einen kleinen Haken: Eine komplett kostenfreie Version gibt es gar nicht. Sind die drei Test-Monate vorbei, müsst ihr 9,99 Euro im Monat zahlen, oder könnt den Dienst künftig nicht mehr nutzen. In Sachen Familienrabatt ist Apple dagegen Spitzenreiter: Bis zu sechs Personen dürfen für den monatlichen Preis von 14,99 Euro den Dienst nutzen. Als Unterscheidungsmerkmal zu Spotify und Deezer gibt es zum einen Beats Radio: Dies ist ein Radiosender, bei dem einige prominente Musiker aktiv mitwirken und die Sendungen gestalten. Weiterhin ist "Apple Connect" in Apple Music integriert, ein Netzwerk, in dem ihr Künstlern folgen könnt. Wie auch Deezer bietet Apple in iTunes den direkten Link zu den Musikvideos, falls Videos vorhanden sind.

Apple Music
Apple Music hat Exklusivangebote einiger Stars für sich gekapert (© 2016 )

Napster: Der Klassiker

Auch bei Napster liegt der monatliche Preis auf Augenhöhe mit anderen Anbietern. Anders als Anbieter wie Spotify oder Deezer gibt es jedoch zwei verschiedene Abomodelle: Mit dem Grundlagen-Modell "Napster Music-Flatrate" erhaltet ihr für 7,95 € im Monat Zugang zu der gesamten Musikdatenbank des Streaming-Dienst sowie zu dem kompletten Funktionsumfang auf dem Desktop. Wie der Name bereits verrät, ermöglicht euch die "Napster Music-Flatrate + Mobile" für 9,95 € im Monat hingegen zusätzlich die mobile Nutzung der Musikflatrate. Mit dem gehobeneren Modell könnt ihr Napster dann auch auf Smartphones und Tablets nutzen. Sicherlich ein wichtiger Pluspunkt an Napster ist die Hülle und Fülle an Hörbüchern.

Ein weiteres starkes Feature ist der Auto-Modus. Einmal aktiviert, wird die gesamte Oberfläche der Anwendung auf wenige vereinfachte Knöpfe reduziert, sodass ihr die App auch unkompliziert bedienen könnt, wenn ihr am Steuer sitzt – die Augen gehören schließlich auf die Straße. Eltern werden zudem an dem "KIDS"-Modus Gefallen finden, den ihr im Menü am Seitenrand aufrufen könnt. In diesem erhalten Kinder eine separate Benutzeroberfläche, die von Napster automatisch von unpassenden Songs und Inhalten bereinigt wird. Zusätzlich stellt der Anbieter Empfehlungen zusammen, die besonders für die Ohren der Kleinen geeignet sind.

Unter "Channels" hört ihr vorgefertigte Playlisten – und richtige Radio-Sender
Napster: Unter "Channels" hört ihr vorgefertigte Playlisten – und richtige Radio-Sender (© 2016 )

Klein, aber fein: Amazon Prime Music

Der Online-Shop Amazon bietet im Rahmen seiner Prime-Mitgliedschaft ebenfalls eine Musik-Flatrate an. Dieser ist zwar im Bezug auf aktuelle Chart-Musik gut aufgestellt, kann jedoch im Hinblick auf den Gesamtkatalog nicht mit der Konkurrenz mithalten: Für die Kunden steht eine Million Songs zur Auswahl. Im Vergleich zu den 30 Millionen, die die Konkurrenz aufbietet, ist das ein deutlicher Unterschied. Hörbücher sucht ihr bei Amazon Prime Music ebenfalls vergeblich. Musiktitel könnt ihr zwar herunterladen, aber das gilt leider nur für die Handy-Apps.

Auch in Sachen Bedienkomfort für zuhause schneidet Prime Music schlechter ab: Die meisten Konkurrenten bieten die Möglichkeit, Musik über WLAN-Lautsprecher zu streamen. Dafür gibt es entweder entsprechende Funktionen wie Connect von Spotify oder AirPlay von Apple, oder Lautsprecher haben die Anbieter selbst in ihre Apps aufgenommen. So etwas ist bei Amazon leider nicht zu finden.

Dennoch gibt es natürlich auch einige Aspekte, die ihr im Bezug auf den Dienst beachten solltet: Prime Music ist kein dezidierter Musik-Streaming-Anbieter, sondern ein Teil des großen Amazon-Prime-Pakets. Dafür zahlt ihr 49 Euro im Jahr,  was umgerechnet 4,08 Euro im Monat sind. Neben der Musik-Flatrate bekommt ihr mit dem Amazon Prime-Konto auch Zugriff auf die Instant-Video-Flatrate, kostenlose eBooks sowie die Expresslieferung bei Bestellungen. Dieses Angebot ist rein preistechnisch natürlich klar vor den anderen Anbietern. Falls ihr jedoch auf der Suche nach einer reinen Musik-Streaming-App seid, müsst ihr bei Amazon deutliche Abstriche gegenüber anderen Diensten machen.

Streaming unterwegs: Wie viele Daten verbrauchen die Anbieter?

Sicherlich eine entscheidende Frage, die sich bei der Wahl eines jeden Streaming-Anbieters stellt: Wie viele Daten verbrauche ich eigentlich, wenn ich unterwegs Musik auf dem Handy höre – ohne diese vorher heruntergeladen zu haben? Offizielle Angaben zum Datenverbrauch gibt es in der Regel keine. Einem Test von Chip zufolge dürft ihr beim Streaming von Musik über Spotify mit einem Verbrauch von bis zu 40 bis 50 Megabyte pro Stunde bei normaler Musikqualität rechnen – bei hoher Qualität können es schon bis zu 70 Megabyte pro Stunde sein. Der Anbieter Deezer streamt in vergleichbaren Bitraten wie Spotify, wodurch in etwa die selben Datenmengen pro Stunde anfallen dürften.

Apple Music hingegen verbraucht laut Chip zwischen 1,5 und 2,5 Megabyte pro Minute, wodurch ein stündlicher Verbrauch von bis zu 120 Megabyte entstehen kann. Hier besteht nur die Option, den mobilen Traffic gänzlich abzuschalten. Bei Napster ist es wiederum möglich, die Streaming-Qualität manuell einzustellen – standardmäßig ist diese hoch eingestellt. Wahlweise könnt ihr diese jedoch auf niedrig oder normal einstellen, wodurch die Verbrauchszahlen sich etwa auf die Höhe von Spotify und Co. einpendeln dürften – also ist mit rund 50 beziehungsweise 70 Megabyte pro Stunde zu rechnen.

Amazon Prime Music bietet ebenfalls die Möglichkeit, die Streaming-Qualität zu regulieren, wodurch laut Chip – je nach Einstellung – zwischen 2 und 7 Megabyte pro Minute verbraucht werden können. Bei niederiger Qualität können also bis zu 120 Megabyte Datenverbrauch anfallen, bei hoher sogar satte 420 MB.

Fazit: Die Qual der Wahl

Abgesehen von Prime Music unterscheiden sich die anderen Anbieter meist nur in Details. So bieten Deezer und Apple Music die Einbindung von Musikvideos an, was unter Umständen für euch aber nicht relevant ist. Auf der Gegenseite gibt es Features wie das Running-Feature bei Spotify, was für Nicht-Jogger kein Pluspunkt wäre. Autofahrer und Freunde von Hörbüchern sind mit Napster sicherlich super bedient. Rein von der Anzahl der Features ist Spotify in der Premium-Version leicht im Vorteil: Die Entdecken-Funktion und auch die Kriterien, nach denen ihr Listen vorgeschlagen bekommt, wirken durchdachter.

Kleine Schmankerl wie der eigene wöchentliche Mix tragen zum allgemeinen Wohlgefühl bei. Apple ist ebenfalls ein starker Anbieter, aktuell fehlen neben den vereinzelten Exklusiv-Künstlern aber noch klare Alleinstellungsmerkmale. Weiterhin ist für Desktop-User die Nutzung von iTunes vorgeschrieben, was ebenfalls nicht immer auf Gegenliebe stoßen wird: Sowohl Spotify als auch Napster und Deezer sind bequem per Browser nutzbar. Wenn ihr plant, euch den Anbieter mit Familie oder Freunden zu teilen, ist Apple Music von den Kosten her günstiger. Als Student ist Spotify mit seinem Sondertarif einen genaueren Blick wert.

Für Nutzer, die kein Geld ausgeben wollen, ist der Unterschied zwischen Spotify und Deezer vor allem in den Handy-Apps deutlicher: In Desktop-Browsern wählt ihr einzelne Songs aus Playlisten bequem an, bei der App jedoch bietet Spotify nur die Shuffle Funktion für Playlisten an. Die Deezer-App ist noch reduzierter: Hier habt ihr nur noch Zugriff auf Webradios und die Flow-Funktion, in der euch interessante Lieder vorgeschlagen werden. Für Sparfüchse ist der schwedische Streaming-Anbieter daher die bessere Wahl.

Natürlich gibt es eine Vielzahl an anderen Streaming-Anbietern, auf der Wiki-Seite finden sich weltweit 29 aktuelle Service-Anbieter. Es gibt Dienste, wie etwa Pandora, die über 77 Millionen User haben, aber nur in Amerika, Australien und Neuseeland verfügbar sind. Andere Dienste wie Google Play Music bieten eine eigene Cloud für User an, in die ihr eure Songs auch hochladen könnt. Welches der Features für euch entscheidend ist, ist natürlich vor allem eines: eine Frage des Geschmacks.

Aufmacherbild: (© 2018 Pexels /u/kaboompics/)

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