Dank Rauchfrei Pro zum Nichtraucher?

Smoke

Schluss mit dem Glimmstängel! Die App "Rauchfrei Pro" soll entschlossene Neu-Nichtraucher bei ihrem Vorhaben unterstützen, den Zigaretten zu entsagen. Ob dabei wirklich eine App helfen kann? Ich mache den Test.

Als Pflaster, Kaugummi oder auch Lutschtabletten gibt es sie schon: Hilfsmittel, die uns beim Rauchstopp helfen sollen – aber als App? Das ist neu! "Rauchfrei Pro" möchte willige Glimmstängel-Entsager beim Erreichen ihres Ziels helfen. Laut AppStore-Eintrag möchte sie das mit über 300 individuell berechneten Statusmeldungen schaffen und visualisiert außerdem, wie lange man mit dem Rauchen schon aufgehört, wie viel Geld man dadurch bereits gespart und wie sich die Gesundheit dadurch verbessert hat. Doch reicht das aus?

Die Bestandsaufnahme

Zur Transparenz dieses kleinen Tests sei nicht verschwiegen, dass ich kein besonders starker Raucher bin. Das muss ich auch der "Rauchfrei Pro"-App mitteilen, als sie mich beim ersten Start nach meiner bevorzugten Marke und der Menge an täglich gerauchten Zigaretten fragt. Nicht nur, dass ich extrem leichte Zigaretten rauche, ich rauche auch noch sehr unregelmäßig. Am häufigsten greife ich dann zur Schachtel, wenn qualmende Gesellschaft um mich herum ist – alleine rauche ich in der Regel nicht … oder zumindest nicht mehr.

Denn Ende letzten Jahres habe ich mich dabei ertappt, wie die gemütliche Zigarette auch ab und an mal zwischen die Fingerspitzen wanderte, wenn gerade niemand dabei war. Und irgendwie hat mich das so sehr gestört, dass ich daran etwas ändern musste. Die "Rauchfrei Pro"-App soll mir jetzt dabei helfen, das Rauchen noch weiter zu reduzieren. Ich bin also kein harter Kettenraucher, sondern nur wenige Zigaretten davon entfernt, mein Ziel in der Tasche zu haben. Aber ob mich die App auch davon überzeugen kann, nicht zu rauchen, wenn die Gesellschaft gerade wieder gemütlich neben mir pafft?

Motivation in Zahlen und Fakten

Ich nenne der App einige Details über mein Rauchverhalten. Bei der Angabe, wie viele Zigaretten ich täglich rauche, stolpere ich aber. Da ich ein On/Off-Raucher bin, fällt es mir gar nicht so leicht, die richtige Menge zu nennen, besinne mich letztlich aber auf einen Durchschnitt von drei Glimmstängeln. Sollte passen. Danach wirft mich "Rauchfrei Pro" direkt in das Rauchstopp-Coaching. "In 13 Tagen wird sich deine körperliche Leistungsfähigkeit weiter verbessern. Deine Lunge wird beginnen, Teerstoffe abzutransportieren", motiviert mich die App über einen giftig grünen Bildschirm.

Unter dem weiß hervorgehobenen Fenster beginnt sofort eine Uhr zu ticken: 20 Sekunden zählt die Uhr. 20 Sekunden bin ich bereits rauchfrei. Und darüber prangen drei Nullen vor einem Euro-Zeichen – hier wird wohl auf kurz oder lang das ersparte Geld stehen, das ich NICHT für Zigaretten ausgebe. Dieser Punkt steigt bei meinem Minimal-Konsum aber leider nur langsam. Per Tipp auf einen dieser Werte, schalte ich durch unterschiedliche Anzeigeformate, wenn mir die Sekundenanzeige beispielsweise nicht reicht, kann ich mir genauso gut Minuten oder Stunden nennen lassen.

Über vier Symbole unterhalb der Motivationsnachricht, kann ich weitere Infos aufrufen. Diese Statusmeldungen teilen sich in die Bereich Fakten, Geld, Giftstoffe und Gesundheit auf, letzterer ist der Teil, mit dem ich direkt begrüßt wurde. Unter Fakten verbirgt sich beispielsweise "Raucher haben 4 mal häufiger Mundgeruch als Nichtraucher", unter dem Punkt Geld wird mir veranschaulicht, wie viel Geld ich spare und was ich damit alles in der Theorie anstellen könnte und der Punkt Giftstoffe nennt mir die giftigen Substanzen und dadurch hervorgerufenen Schäden, die ich ab sofort nicht mehr erleiden muss.

Der dritte Tag mit "Rauchfrei Pro"

Die Fakten und Informationen, die mir "Rauchfrei Pro" entgegenwirft, sind wirklich gut, stellenweise sogar Augen öffnend – das sich das Risiko auf Mundhöhlenkrebs beispielsweise wesentlich erhöht, wenn Zigaretten und Alkohol gleichzeitig konsumiert werden, war mir völlig neu. Doch trotzdem weiß ich noch nicht so recht, wie und wann mich die App wirklich davor bewahren will, wieder mit dem Rauchen anzufangen. Ob ich von rauchenden Freunden umgeben, tatsächlich erst zum Smartphone greife und weitere Pro-Rauchstopp-Fakten lese, bevor ich eine mir angebotene Zigarette annehme? Ich bezweifle es.

Noch aber bin ich rauchfrei. Eine brenzlige Situation gab es noch nicht. Auch mit meinen schmalen Rauchgewohnheiten habe ich es jetzt immerhin auf ersparte 2,65 Euro gebracht. Wow. Interessanter als das ist allerdings die Übersicht über die gesundheitlichen Verbesserungen. Ein Reiter innerhalb der App präsentiert nämlich derlei Fortschritte in übersichtlichen Balkendiagrammen. Demnach ist das Risiko für ein plötzliches Herztodrisiko bereits deutlich gesunken, für eine Stabilisierung meines Blutkreislaufs muss ich aber noch weitere drei Tage und 15 Stunden durchhalten.

Diese Übersicht motiviert mich tatsächlich. Ob diese Motivation reicht, wird sich aber erst noch zeigen müssen. Ich mache in jedem Fall weiter.

Der vierte Tag mit "Rauchfrei Pro"

Na, soviel dazu. Ich habe wieder geraucht. In der Runde mit einem alten Freund waren die Glimmstängel dann doch wieder in greifbarer Nähe. Mist. Ich ärgere mich. Und auch ein Blick in die "Rauchfrei Pro"-App ärgert mich. Mein Fortschritt wurde zurückgesetzt. Alles auf Null. Wieder von Vorn. Die Balkendiagramme der Gesundheitsübersicht stehen wieder am Anfang und auch der Zeitzähler ist wieder erstaunlich klein. Kein guter Tag. Und "Rauchfrei Pro" reibt mir mein Versagen auch noch unter die Nase.

Um ehrlich zu sein, hält mich nur dieser Artikel davon ab, die App zu schließen und sie erst einmal zu ignorieren. Wie es wohl weitergegangen wäre, wenn ich über meine Erfahrung nicht schreiben würde? Natürlich hält mich nichts davon ab, die Daten in "Rauchfrei Pro" zu fälschen. Ich könnte über die drei Zigaretten von gestern Abend einfach hinweggehen, aber dann kann ich die App auch gleich löschen. Nein, stattdessen dann doch lieber der Neustart. Rückschläge gehören wohl einfach dazu.

Der sechste Tag mit "Rauchfrei Pro"

Here we go again: drei Tage ohne Zigarette. Der alte Stand ist quasi wiederhergestellt. Sogar meinen ersten Meilenstein habe ich fast erreicht. Meilensteine sind ein weiterer Reiter der App. Hier kann ich entweder bestimmte Dinge, die ich mir mit dem nicht verrauchten Geld leisten möchte, eintragen, oder mich an den vorgegebenen Zielen ergötzen. Laut dem Standard habe ich in neun Stunden und 40 Minuten das Geld für einen Latte Macchiato erspart. Gar nicht so schlecht. Wenn ich 27 Tage durchhalte, kann ich mir sogar guten Gewissens einen Kinobesuch für zwei leisten.

Die Meilenstein-Funktion ist nett, bei meinem geringen Konsum allerdings eher Erbsenzählerei. Die größte Motiviation ziehe ich dann doch eher aus den Balkendiagrammen, die meine gesundheitliche Regeneration veranschaulichen, und den durchaus harten Fakten, wie Zigaretten mein Wohlbefinden beeinträchtigen könn(t)en. Allerdings ist klar: Wer keine eigene Motivation mitbringt, braucht von der "Rauchfrei Pro"-App auch keine Wunder zu erwarten.

Fazit nach zehn Tagen "Rauchfrei Pro"

Nach meinem Rückschlag ist auch der siebte Tag geschafft. Trotz rauchender Gesellschafft hat es mich nicht zurück an den Glimmstängel getrieben. Das würde ich letztlich aber wohl mehr mir als der App zuschreiben. Denn wie bereits in meinem zurückliegenden Eintrag erwähnt, ist "Rauchfrei Pro" kein Wunderwerkzeug, das mir auf magische Weise den Schmachter austreibt. Nein, stattdessen fungiert es eher als eine kleine Gedächtnisstütze, warum man eigentlich mit dem Rauchen aufhören möchte. Wer genau dafür eine App sucht, und sie nicht dafür verantwortlich macht, wenn man doch einmal rückfällig wird, der dürfte mit "Rauchfrei Pro" sehr glücklich sein.

Ich für meinen Teil werfe ab und an mal einen Blick auf die sich verbessernden Statistiken. Das motiviert und gibt dem rauchfreien Zeitraum irgendwie noch mehr Bedeutung. Ob es mir weiterhin gelingt, ohne Zigaretten auszukommen, wird sich aber nicht allein an dieser App ausmachen lassen.

Aufmacherbild: (© 2016 CC: Unsplash/Олег Жилко)

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