LG G6 im ersten Test: So gut ist das Kino-Smartphone

LG G6

Mit dem G6 wagt LG einen Neuanfang: Ein riesiger Bildschirm soll den Erfolg der Flaggschiff-Serie sichern. Ob das Kino-Smartphone für die Hosentasche geeignet ist, hat Guru Florian für euch getestet.

Mit dem neuen G6 will LG die Wünsche seiner Fanbasis an erste Stelle rücken. Das ließ der Hersteller verlauten, als er sein neues Flaggschiff mit großem Tamtam vorstellte. Herausgekommen ist ein recht kompaktes Smartphone mit riesigem 5,7-Zoll-Display, welches nahezu die ganze Vorderseite überzieht. Hinter der großen Mattscheibe tickt jedoch ein recht sparsamer Rechner. Ist der Startpreis von 749 Euro dennoch gerechtfertigt?

Design: Auf einmal leuchtet die ganze Vorderseite

Auf den ersten Blick wirkt mein schwarzes Testgerät recht unscheinbar: Vorne und hinten hochglänzend, die metallischen Seitenränder schimmern matt. Hinzu kommen die typischen Akzente der Antennenstreifen. Alles beim Alten, könnte man meinen. Der gewünschte "Aha!"-Effekt entsteht beim G6 jedoch erst, wenn ich den Bildschirm einschalte. Denn dann leuchtet nahezu die gesamte Vorderseite des Smartphones.

LG G6
LG G6: Ganz viel Display auf der Vorderseite (© 2017 )

LG zufolge sind 80 Prozent der Fläche mit Display überzogen – ein beachtlicher Wert und ebenso wie beim Samsung Galaxy S8 wegweisend für die Bauweise zukünftiger Smartphones. Zum Vergleich: Das Gehäuse des Vorgängermodells G5 war ein wenig größer als das des G6, beherbergte jedoch nur ein 5,3 Zoll großes – oder eher kleines –Display.

Display: 5,7 Zoll QHD

Das Display des G6 misst 5,7 Zoll, dennoch ist das Smartphone überraschend handlich. Kein Wunder, denn Geräte mit vergleichbar großem Bildschirm sind traditionell deutlich klobiger gebaut. Bislang ordnete man diese Größe schließlich der Kategorie "Phablet" zu, eine Einordnung, von der wir uns demnächst verabschieden werden, wenn die meisten Hersteller mit LG und Samsung gleichziehen.

LG G6
Das Always-on-Display zeigt lediglich Uhrzeit, Datum und Ladestand an (© 2017 )

Mit einer QHD-Auflösung von 2.8840 x 1.440 Pixeln ist das Display des G6 gestochen scharf. Filme und Spiele werden auf dem LCD-Bildschirm mit lebendigen Farben wiedergeben, die nicht überzeichnet wirken. Im Ruhezustand leuchtet auf dem G6 ein Always-on-Display, welches etwa die Uhrzeit oder den Akkustatus anzeigt. Zusätzliche Infos wie eingegangene Nachrichten oder Anrufe können jedoch nicht angezeigt werden.

Wo ist der Vollbildmodus?

Das G6 hat ein riesiges Display, doch leider bringt der Hersteller dieses nicht zur vollen Geltung. Was mir schmerzlich fehlt, ist ein Vollbildmodus für Filme und Serien. Videos sehen auf dem leuchtstarken Bildschirm zwar knackig aus, werden jedoch durch die schwarzen Balken am Rand geschmälert – die große Bildfläche wird einfach nicht vollständig ausgenutzt. Ein Vollbildmodus könnte das Video bis zu allen Seitenrändern ausdehnen, sodass das G6 sein Potenzial als Kino-Smartphone voll ausreizen kann – zugegeben, nicht ohne Verluste von Bildinhalten. Es bleibt zu hoffen, dass LG eine derartige Funktion einfach in einem Firmware-Update nachfügt.

Ein weiteres Manko ist für mich LGs Softwaredesign: Icons und Texte auf der Benutzeroberfläche des Geräts wirken wie aufgeblasen, wodurch der große Bildschirm unnötig gedrängt wirkt. Das wirkt unelegant, lässt sich aber ändern: Reduziert in den Einstellungen die "Anzeigegröße" oder besorgt euch einen alternativen Launcher wie Nova.

Wasserdichte Bauweise

Das Gehäuse des G6 ist wasser- und staubfest, sodass es Unfälle im Badezimmer unbeschadet überstehen kann. Dieser Designentscheidung hat jedoch auch zur Folge, dass der Akku des Smartphones nicht mehr ausgetauscht werden kann. Das war beim G5 noch möglich – und ist bei heutigen Smartphones eher die Ausnahme.

LG G6
Die rückseitige Home-Taste mit Fingerabdrucksensor ist LGs Markensignatur (© 2017 )

Wie bei LGs letzten Flaggschiffen befindet sich der Fingerabdrucksensor weiterhin auf der Rückseite. Zum Entsperren reicht bereits ein kurzes Auflegen des Fingers. Will ich das Smartphone wieder sperren, drücke ich die rückseitige Taste ein. Das ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, kann sich aber schnell als eingängige Bedienlogik etablieren. Wie die meisten Smartphones mit glänzender Rückseite zieht das G6 Fingerabdrücke magisch an, sodass ich hier regelmäßig mit dem Ärmel drüberwischen muss.

Kamera: Dual-Kamera mit Weitwinkelobjektiv

Ganz zeitgemäß setzt LG bei seinem neuen Flaggschiff auf eine Dual-Kamera. Wahlweise fotografiert ihr mit dem Standardobjektiv oder mit 125-Grad-Weitwinkelknipse. Beide Kameras schießen mit einer Auflösung von 13 Megapixeln. Das Standardobjektiv ist mit f1.8 etwas lichtstärker als das Fisheye mit f2.4.

In der Praxis muss ich jedoch feststellen, dass nach wenigen Aufnahmen nur noch die Weitwinkelkamera zum Einsatz kommt. Im Vergleich zu anderen Smartphone-Kameras ist das Blickfeld im normalen Modus sichtbar eingeschränkt. Umso eindrucksvoller ist der Sprung zum Weitwinkelobjektiv, denn dann entfaltet mein Sucherbild die volle Breitseite Realität – der Effekt erinnert ein wenig an den Kinovorhang, der sich zwischen Werbung und Filmstart vollends öffnet.

In den Abendstunden rate ich jedoch, wieder auf das normale Objektiv zu wechseln, denn dann macht sich dessen bessere Lichtempfindlichkeit bemerkbar. Im frühen Dämmerlicht kann die Weitwinkelknipse immer noch gute Bilder liefern – doch mit späterer Stunde gelingt es die Standardknipse einfach besser, scharfe Bilder abzuliefern. Auch bei wenig verfügbarem Licht liefern beide Objektive jedoch immer noch recht farbgetreue Bilder ab, natürlich nicht ohne das Smartphone-typische Rauschen.

LG G6 Testfoto
Krümmungen hin oder her – diese umfangreiche Perspektive ist eindrucksvoll (© 2017 )

Unterm Strich bin ich mit der Kameraleistung des G6 zufrieden. Mit dem Weitwinkelobjektiv entstehen eindrucksvolle Bilder, ohne dass ich mit einem Panoramamodus herumfrickeln muss. Vereinzelt weisen die Bilder eine starke Krümmung an den Rändern aus – doch dass lässt sich mit einem Fisheye-Objektiv einfach nicht vermeiden.

Ein wirklich griffiges Feature ist der quadratische Aufnahmemodus. Schießt ihr damit ein Foto, seht ihr sofort neben dem Live-Sucherbild eure letzte Aufnahme. Möglich macht das erst das Display mit dem großzügigen Seitenverhältnis.

Solide Selfie-Kamera

Auch die Selfie-Kamera schießt mit Fisheye-Linse, erreicht allerdings nur einen Winkel von 100 Grad. Die macht bei gutem Licht passable Aufnahmen, meine Haut wirkt schnell wie mit Pastelltönen gemalt. Die automatischen Beauty-Filter lassen sich zwar teilweise abschalten, scheinen jedoch nie ganz zu verschwinden. Selfiefreudigere Zeitgenossen werden daran jedoch sicherlich ihre Freude haben. Wirklich gut an der Selfie-Knipse ist der Weitwinkelmodus, mit dem Gruppenaufnahmen ganz ohne Hilfe von unbeteiligten Dritten möglich wird. Auch das nächste Selbstportrait vor zerklüftetem Bergpanorama wirkt mit dem G6 noch heftiger.

Hardware: Muss sich hinten anstellen

Verblüffenderweise stellt LG die Rechenpower seines neuen Flaggschiffs hinten an – und beteiligt sich erfrischenderweise nicht am Wettrüsten der großen Smartphone-Hersteller. Als Prozessor verbaut LG den etwas betagten Qualcomm Snapdragon 821, gemeinsam mit 4 Gigabyte Arbeitsspeicher.

LG G6
Die Unterseite des G6: USB C und Lautsprecher (© 2017 )

Damit ist das Smartphone jedoch immer noch ein flotter Alleskönner, egal, ob ich es durch eine Vielzahl von Games, Apps oder Fotosessions quäle. Der 3.300-mAh-Akku liefert ausreichend Saft, um locker durch den Tag zu kommen. Für Musik und Videos stehen 32 Gigabyte Speicher zur Verfügung, die per microSD-Karte erweitert werden können.

Google Assistant an Bord

Als erstes Smartphone, welches nicht in Kooperation mit Google produziert wird, hat das LG G6 den Google Assistant an Bord. Als quasi nativer Teil von Android 7.0 Nougat darf der plauderfreudige Service natürlich nicht fehlen.

LG G6
Trotz großem Display ist das G6 ein recht kompaktes Smartphone (© 2017 )

LGs Benutzeroberfläche verzichtet auf den klassischen App-Drawer und gehört wie gesagt nicht zu den optisch ansprechendsten Adaptionen des Android-Systems. Mit einer kurzen Suche nach dem richtigen Theme oder einem neuen Launcher lässt sich das glücklicherweise ändern.

Farben, Preise und Verfügbarkeit

Das G6 gibt es wahlweise in den Farben Schwarz, Silber oder Weiß. LG vertreibt es zur unverbindlichen Preisempfehlung von 749 Euro.

Fazit: High-End-Display mit gutem Smartphone

Die große Stärke des LG G6 ist ganz klar das ausfüllende QHD-Display. Als einer der ersten Hersteller, die sich von der sperrigen Bauweise gestriger Smartphones verabschieden, ist LG damit ein ebenso praktisches wie optisch eindrucksvolles Designkunststück gelungen. Wer einmal mit einem Display dieser Größenordnung hantiert hat, merkt schnell: Zu den klobigen Klassikern gibt's kein Zurück mehr. Obendrauf packt ihr euch mit dem G6 eine wirklich gute Dual-Kamera in die Hosentasche, die Bilder von bislang unbekanntem Ausmaß knipst. Kleine Unstimmigkeiten bei Software oder Bedienbarkeit stellen angesichts der schlagkräftigen Bildsprache überhaupt kein Thema dar.

Alle wichtigen Infos zum LG G6:

  • System: Android 7.0 Nougat
  • Display: 5,7 Zoll, QHD (2.880 x 1.440 Pixel)
  • Akku: 3.300 mAh
  • Hauptkamera: 13 Megapixel (Standardobjektiv), 13 Megapixel (125 Grad Weitwinkel)
  • Frontkamera 5 Megapixel (100 Grad Weitwinkel)
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 821
  • Interner Speicher: 32 Gigabyte (per microSD erweiterbar)
  • Arbeitsspeicher: 4 Gigabyte RAM
  • Daten: 4G/LTE, WLAN, Bluetooth, NFC, GPRS/Edge
  • Abmessung: 148,9 x 71,9 x 7,9 mm
  • Gewicht: 163 Gramm
  • Farben: Schwarz, Silber, Blau, Gold
  • Besonderheit: Großes HDR-Display im 18:9-Seitenverhältnis

Aufmacherbild: (© 2017 )

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