Runtastic Orbit: Der preiswerte Tracker zur beliebten Lauf-App im Test

Runtastic Orbit

Ein guter Tracker muss teuer und brandneu sein? Das sieht Guru Christine anders: Sie trainiert gerne mit den Runtastic-Apps und hat sich passend dazu den zwei Jahre alten Runtastic Orbit umgeschnallt. Kann das inzwischen für unter 50 Euro verfügbare Gerät noch überzeugen?

Die meisten Activity Tracker werben damit, dass sie mit verschiedenen Fitness-Apps kompatibel sind. Aber wieso nicht mal einen Tracker ausprobieren, der von einem App-Anbieter eigens auf diese zugeschnitten wurde? Die Rede ist natürlich von Runtastic. Das österreichische Unternehmen ist vor allem für seine Fitness-Apps bekannt, allen voran die gleichnamige beliebte Running App. Mittlerweile hat hat Runtastic aber nicht nur viele weitere Fitness- und Ernährungs-Apps erfolgreich etabliert, wie etwa Muskeltraining mit dem eigenen Körpergewicht, Bike-Apps oder einer Freeletics-ähnlichen Anwendung für Kraftausdauer-Training (Runtastic Results), sondern auch die richtige Hardware dazu: Neben vier intelligenten Fitnessuhren hat Runtastic auch seit zwei Jahren einen klassischen Fitnesstracker im Sortiment, den Runtastic Orbit. Der ist inzwischen auch für unter 50 Euro im Handel verfügbar: Aus meiner Sicht kurz vor dem Frühjahrsurlaub doch ein attraktives Angebot, das ich unbedingt testen muss – auch zu Motivationszwecken, damit ich bis zu meinem Wanderurlaub im Mai richtig fit werde.

Die Optik: Der kleine Orbit passt ums Handgelenk oder an Hose und BH

Der Runtastic Orbit selbst passt locker in eine Streichholzschachtel: In einem der elf verfügbaren farbigen Silikonarmbändern ist er aber deutlich besser aufgehoben – und sieht, je nachdem, ob man es eher sportlich unauffällig oder knallig bunt mag, auch ganz stylisch aus. Beim Kauf ist ein schwarzes und blaues Armband mit dabei, die lassen sich jeweils als Trio in drei verschiedenen Farben aber auch nachkaufen. Das Armband ist robust, sitzt aber angenehm auf dem Unterarm. Besonders positiv fällt mir die enge Lochung auf: Meistens ist mir bei Uhren und Armbänder das kleinste Loch zu eng, das nächste dahinter dann schon zu weit. Das Orbit-Armband lässt sich aber optimal um mein Handgelenk schnüren. Auch der Druckknopf-Verschluss hält erstaunlich gut – jedenfalls habe ich den Tracker trotz diverser Fitnessaktivitäten nicht verloren. Übrigens ist auch Schwimmen und Duschen mit dem Runtastic Orbit kein Problem: Er ist wasserfest, laut Hersteller bis 100 Meter tief.
Ebenfalls im Lieferumfang enthalten ist ein kleiner, schwarzer Clip: Damit lässt sich der Orbit noch unauffälliger am Hosenbund oder BH befestigen. Schnell wird klar: Da hat jemand mitgedacht! Erweckt es zunächst den Anschein, dass der Orbit falsch herum im Clip steckt, zeigt sich kurz darauf am Hosenbund: Das muss so, denn nun kann ich das Display auch von hier mit einem Blick lesen. Ein spezielles Ladekabel für den Orbit ist übrigens auch mit dabei – der kleine Tracker kann nämlich nicht an ein herkömmliches Mini-USB-Kabel andocken.
Bevor ich mein Smartphone verbinde, muss ich mir die "Runtastic Me"-App (gratis für iOS-Geräte sowie Android) runterladen: Die Registrierung klappt schnell und unkompliziert, und die App lässt sich schnell und leicht bedienen, genauso wie der Tracker selbst.

Die Fitness-Performance des Runtastic Orbit

Der Runtastic Orbit kann, wie jeder gängige Activity Tracker, meine zurückgelegten Schritte und Distanzen zählen, die dabei verbrannten Kalorien schätzen und meinen Schlaf aufzeichnen. Diese Basisdaten lassen sich, genau wie die aktuelle Uhrzeit, mit einem Tippen auf den Knopf am Tracker selbst ablesen. Im Prinzip muss ich die App nur aufrufen, wenn ich die Werte mit denen vom Vortag vergleichen möchte. Bei der Uhrzeit würde ich mir aber manchmal wünschen, dass sie automatisch am Handgelenk angezeigt wird, sobald ich die typische auf-die-Uhr-schauen-Bewegung mit dem Arm vollführe: Da bin ich wohl etwas verwöhnt, zum Beispiel vom Fitbit Alta.

Die Performance als klassisches Fitness-Wearables ist mir besonders beim Gehen und Joggen – und hier vor allem in Verbindung mit der Runtastic Running App – positiv aufgefallen: Beim Joggen zeigt das Orbit mir alle für mich relevanten Werte aus der Lauf-App auf dem Display an: Meine Geschwindigkeit, Laufdauer und den Kalorienverbrauch kann ich etwa mit Tippen auf den Knopf am Handgelenk ablesen, ohne das Handy aus der Tasche zu ziehen. Auch wenn mein GPS-Singnal zeitweise mal schlapp macht, ist die Lauf-App in der Lage, die Ergebnisse zwischen zu speichern und mir so am Ende trotzdem ein realistisches Ergebnis meiner Laufleistung zu präsentieren.
Der integrierte Schrittzähler im Orbit übersteht den "Zahnputz-Test" übrigens ohne die Handbewegungen als Schritte fehlzuinterpretieren. Allerdings verfügt der Runtastic-Tracker nicht über einen Höhenmesser und erkennt damit auch keine anderen Aktivitäten wie Treppensteigen. Im Vergleich mit der Withings Acitvité Pop Uhr erscheinen mir die Werte über meine tägliche Schrittzahl als sehr glaubhaft. Während meine smarte Uhr aber teilweise Sportarten automatisch erkennt und trackt – wie etwa Schwimmen, Fitness-Workouts und Joggen – zählt der Orbit nur Schritte. Wenn ich statt Cardiotraining aber Krafttraining mache, fehlt das leider gänzlich in der Statistik. Zwar erkennen auch die meisten anderen Wearables die Bewegungen an Fitnessgeräten oder das Gewichtheben nicht als Sporteinheit, bieten aber über die App die Möglichkeit, diese Aktivität manuell einzutragen, sodass sie auch bei den verbrannten Kalorien und Wochen-Fitnesszielen berücksichtigt werden können. Allerdings kann ich im Newsfeed über die "Runtastic Me App" einsehen, wann ich welche Workouts über andere Runtastic-Apps vollführt habe.

Die Runtastic-App-Familie: Jeder macht seins, aber alle verstehen sich

Wer weitere Runtastic-Apps nutzt, etwa die "Runtastic Libra"-App zum Tracken der Ernährung sollte vielleicht noch wissen, dass diese selbst mit Runtastic Tracker immer losgelöst von der Wearable-App arbeiten und die Daten nur im Newsfeed an das Orbit übertragen, nicht aber automatisch in die Kalorienbilanz einbeziehen. Bei längerem Nachdenken finde ich das aber auch gar nicht so verkehrt: Bei anderen Anbietern, die alle Tracking-Features in einer App verwalten, fühle ich mich auch oft unter Druck gesetzt, alles mitzumachen – von der Gewichtsdokumentation über meine Fitnessziele bis hin zum Ernährungs-Tracking – auch wenn ich mich eigentlich nur für den Schrittzähler interessiere. Solchen Schnickschnack gibt es in der Runtastic Me App nicht, wohl aber einen Newsfeed über eigene Aktivitäten mit Runtastic-Apps sowie denen von Freunden – übrigens kann man sich über die Rangliste auch mit ihnen messen – und einen Link zum Runtastic Blog. Hier findet man bei Bedarf Rat in Fitness- und Ernährungsfragen. Wer mehr Werte als Schritte, Minuten, Kalorien, Distanz und Schlafzyklen braucht, ruft einfach die passende App dazu auf. Und hier ist der Vorteil, dass sich alle Runtastic-Apps in ihrer Bedienung ähneln. Allerdings ist das Orbit nicht kompatibel mit Apps anderer Anbieter – aber das war ja eigentlich zu erwarten.

Der Orbit und ich – und unser kleines Morgenritual

Auch das Schlaftracking wird nicht automatisch von der "Runtastic Me"-App erkannt: Hierfür muss ich noch eine extra App herunterladen, die Runtastic Sleep Better App. Die ist zwar kostenlos und ebenso intuitiv zu handeln, aber trotzdem erscheint mir das Prozedere mit einer extra App etwas umständlich. Außerdem muss ich erst den Druckknopf unter der App betätigen, damit der Orbit anfängt, meinen Schlaf zu tracken. Andere Wearables erkennen das von alleine. Tatsächlich vergesse ich dann auch am nächsten Morgen oft, das Knöpfchen nochmal fest zu drücken, damit auch der Orbit erwacht und erkennt, dass ich wieder auf den Beinen bin: Trotzdem fragt er aber auch von sich aus mit kurzem Vibrieren und einer aufgehenden Sonne am Handgelenk nach, ob ich bei dem Gelaufe zwischen Kaffeemaschine und Kleiderschrank nicht eventuell schon ausgeschlafen habe? Wie süß! Das ist inzwischen unser Morgenritual geworden – und irgendwie ist mir der Orbit für diese kleine Eigenheit und die am Handgelenk kribbelnd aufgehende Sonne auch ans Herz gewachsen.
Allerdings muss ich zugeben, dass das Schlaf-Tracking im Vergleich zu den übrigen Basisdaten des Orbits sehr ungenau ist und auch nicht besonders detailliert und übersichtlich in der zugehörigen App dargestellt wird. Die Daten basieren hier auch nur auf Bewegung und Orbit zählt schon Schlaf-Minuten, wenn ich noch hellwach ein Buch im Bett lese oder eine spannende Serie gucke. Dafür kann ich mir aber bis zu drei verschiedene Weckzeiten einstellen und werde dann ganz sanft mit Vibration vom Orbit geweckt statt von penetranten Klingeltönen.

Die Runtastic Sleep Better App ist eine Ergänzung zur Runtastic Me App.
Die Runtastic Sleep Better App ist eine Ergänzung zur Runtastic Me App. (© 2017 )

Praktische Alltags-Features: Vom sanften Weckdienst bis zur Pushup-Benachrichtigung

Zu den Features, die mich an diesem Tracker begeistern, zählen auf jeden Fall die Push-Benachrichtigungen: Die haben zum Beispiel schon dafür gesorgt, dass ich neulich Abend beim Ausgehen meine beste Freundin auf dem total überfüllten Kiez wiedergefunden habe: Es war so laut, dass ich weder ihre Anrufe, noch Nachrichten auf meinem Smartphone vernommen hatte. Schließlich wurde ich aber dank einer Push-Benachrichtigung mit Vibration, Licht und Text auf meinem Orbit am Handgelenk aufmerksam, in der mir meine Freundin ihren Aufenthaltsort in einer Nachricht schrieb. Praktisch am Orbit finde ich auch, dass ich meine Fitnessziele in täglichen Schritten und aktiven Minuten angeben und dann motiviert verfolgen kann. Das gilt auch im Büro, wenn ich mal wieder minutenlang krumm und schief vor dem Bildschirm hocke: Hier erinnert mich der kleine Tracker nach einer Stunde völliger Bewegungslosigkeit liebevoll mit Vibration daran, doch mal wieder kurz aufzustehen und mich zu recken.

Wenig sinnvoll finde ich nur die Funktion "Happy Tracking": Orbit speichert nach einem Doppeldruck auf den Bedienknopf, wenn ich mich besonders gut fühle. In der App kann ich dann einsehen, wann ich jeweils total happy war. Allerdings bin ich eher der Typ Mensch, der lieber im Hier und Jetzt lebt und den Augenblick einfach genießt, statt dann auch noch irgendwelche Knöpfe zu drücken. Außerdem kann ich mich auch so ganz gut erinnern, wann ich zuletzt richtig Spaß hatte – zum Beispiel gestern Abend, als ich mich zum ersten Mal bei dem neuen Trendsport "Jumping Fitness" auf dem Minitrampolin verausgabt habe.

Fazit: Günstiger und ausgereifter Tracker für Hobbyläufer und Runtastic-Fans

Wer sich für den Runtastic Orbit entscheidet, bekommt zum günstigen Preis (zwischen 40 und 50 Euro) einen ziemlich ausgereiften Tracker, der sich hervorragend im Alltag und beim Joggen schlägt, vor allem in Kombination mit der Runtastic-Jogging-App, weil die Laufwerte als Push-Benachrichtigungen direkt auf dem Display angezeigt werden und bestens motivieren. Im Hinblick auf diese Basisdaten ist der Runtastic Orbit recht präzise: Schrittzähler und Akkuleistung – bei mir hält er trotz Joggingrunden rund eine Woche – begeistern.
Wer nun aber erwartet, dass auch die Fitnessdaten anderer Runtastic-Anwendungen, wie etwa der "Results"-App, dem "Leg Trainer", der "Push-Ups" oder Bike Apps, direkt in den Orbit eingespeist werden, den muss ich enttäuschen. Auch lassen sich diese und andere Workouts leider nicht manuell in die Orbit-App "Runtastic Me" eintippen: Zwar zählt diese meine aktiven Minuten, aber es ist ja schon ein Unterschied in der Kalorienbilanz, ob ich ein High Intensity Intervall Training mache, stramm walke oder Gewichte stemme. Andere Sportarten als Laufen erkennt der Orbit auch gar nicht. Allerdings werden alle Runtastic-Trainings im Newsfeed der Tracker-App dokumentiert.
Wer nicht auf einen integrierten Höhenmesser für Treppenstufen, einen Pulsmesser und die automatische Schlaferkennung verzichten will – hier ist eine gesonderte Runtastic-App erforderlich –, muss deutlich mehr Geld in die Hand nehmen und beispielsweise in den TomTom Touch oder den Fitbit Alta HR investieren. Das Schlaftracking mit dem Orbit hat mich nicht wirklich überzeugt, dafür aber die sanfte Vibrations-Weckfunktion. Auch der Inaktivitätsalarm im Büro, wenn es nach einer Stunden mal wieder Zeit wird, aus der Sitzstarre auszubrechen sowie die Push-Benachrichtigungen über eingehende Anrufe und Nachrichten auf dem Handy finde ich sehr praktisch.
Alles in allem kann ich den Runtastic Orbit wärmstens empfehlen, für Freizeitsportler, die ohnehin gern mit Runtastic trainieren und einen präzisen, robusten und wasserdichten Tracker ohne Schnickschnack zum Schnäppchenpreis suchen. Dass dieses Wearable schon seit zwei Jahren auf dem Markt ist, schadet ihm kein bisschen, ganz im Gegenteil: Immerhin wächst auch das App-Angebot von Runtastic immer weiter.

Aufmacherbild: (© 2017 )

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