"Dragon's Dogma" für PS4 im Test: Wenn Zyklopen weinen

Dragons Dogma KeyArt

Mit "Dragon's Dogma" und der Erweiterung "Dark Arisen" brachte Hersteller Capcom vor fünf Jahren eines der besten Action-Rollenspiele aller Zeiten heraus. Problem: Kaum einer hat's gemerkt. Aus diesem Grund kommt nun das Remake "Dragon's Dogma: Dark Arisen" für die Playstation 4 und Xbox One heraus. Wir haben den Test für euch.

Das Land Gransys hat schon bessere Zeiten gesehen: Überall in den Wäldern, Höhlen und weitläufigen Gegenden des einst so friedlichen Königreichs, tummeln sich urplötzlich fiese Monster und bedrohen die Bevölkerung. Da ist es fast schon Schicksal, dass ihr auf den Plan tretet. Zwar wird euch bei Spielbeginn von einem sprechenden Drachen euer Herz gestohlen, dieser Umstand mindert jedoch nicht euren Tatendrang – im Gegenteil.

Der Erwachte erwacht

Als "Erwachter" schart ihr zuerst einmal eine schlagkräftige Truppe aus drei Mitstreitern um euch. Doch nur einer davon wird die gesamte Spielzeit über an eurer Seite verweilen. Dieser sogenannte Vasall wird – wie auch eure eigene Spielfigur – zu Beginn des Spiels sorgfältig von euch erstellt. Ihr wählt aus den genretypischen Klassen wie Krieger, Magier oder Waldläufer und bestimmt auch eine davon für euren Vasallen: Idealerweise nehmt ihr für ihn eine Klasse, die ihr nicht ausfüllt. Am besten eignet sich zum Spieleinstieg ein Magier an eurer Seite, der euch im Kampf mit Heilzaubern unter die Arme greift. Habt ihr alle Einstellungen vorgenommen, stehen die ersten Quests auf dem Plan. Am Aufgaben-Brett des kleinen Fischerdorfes "Cassardis" findet ihr die üblichen Sammelaufgaben, die euch schnell erste Levelaufstiege bringen. Das ist bitter nötig, denn im späteren Spielverlauf steht es euch frei, euch für neue Klassen zu entscheiden und dann entsprechend umzuschulen. Heißer Tipp: Wählt zuerst den Krieger, steigert diesen bis Level 10 und wechselt dann auf den Waldläufer. Diesen könnt ihr dann später in die Hybrid-Klasse "Meuchelmörder" umformen und werdet im Spielverlauf mit den dann verfügbaren Fähigkeiten ziemlich stark. Zusätzlich zu euch und eurem Vasallen müsst ihr noch zwei weitere Figuren rekrutieren. Der Witz: Um das zu tun, betretet ihr eine Zwischenwelt. Dort warten die persönlichen Vasallen anderer Spieler darauf, von euch ins Team aufgenommen zu werden. Umgekehrt ist auch euer Vasall online für andere Spieler als "Leihgabe" verfügbar.

Dragons Dogma
Die ersten Schritte mit eurer Party werden von zahlreichen Gefahren begleitet. (© 2017 Capcom)
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Im Hotel der Hauptstadt könnt ihr euch erholen und eure Gegenstände und Mitstreiter organisieren. (© 2017 Capcom)

Das Kampfsystem

Die ersten Schritte aus dem kleinen Fischerdorf heraus führen euch in ein Soldatenfort. Auf dem Weg dorthin trefft ihr auf die ersten Gegner, die allerdings noch keine große Herausforderung darstellen. Kleine Goblins geben unter dem Gewitter eurer Doppelklingen oder eures Schwertes schnell klein bei und ihr habt im Nu das Fort erreicht. Das Echtzeit-Kampfsystem wirkt zu Beginn etwas überladen und kompliziert, da ihr für besondere Spezialattacken eurer Figur mehrere Tasten auf einmal drücken müsst. Das geht aber schon nach ein paar Stunden vollständig in Fleisch und Blut über und entwickelt einen flüssigen und äußerst druckvollen Fluss, der im Genre der Action-Rollenspiele seinesgleichen sucht. Besonders spannend wird es, wenn ihr im späteren Verlauf der Geschichte – oder auch beim Herumwandern in dem extrem weitläufigen, völlig frei begehbaren Spielgebiet – auf die richtig großen Brocken trefft: Kräftige Zyklopen, fauchende Chimären, wütende Trolle oder kampfeslustige Greifen könnten hier direkt einem Sindbad-Film entsprungen sein. Anders als im Märchen, habt ihr hier allerdings die Oberhand und könnt die riesigen Fleischberge sogar ganz behände erklimmen. So lange es eure Ausdauer-Leiste hergibt, lässt sich das Auge eines Zyklopen zum Beispiel ganz vortrefflich vom Kopf des Ungetüms aus bearbeiten, um für viel Schaden zu sorgen. Natürlich helfen auch eure Mitstreiter, allerdings stellen die sich manchmal dümmer an, als sie eigentlich sein müssten. Nur euer Vasall liefert in den meisten Fällen ab und bietet echte Hilfe in den haarsträubenden und stellenweise ausufernd langen, epischen Auseinandersetzungen.

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So ein Greif bedarf einer Menge Zeit und noch mehr Heiltränken im Gepäck: Auf ihn mit Gebrüll! (© 2017 Capcom)

Tausende Dinge – und noch ein paar mehr

Überall in der Spielwelt – und natürlich auch nach den Kämpfen gegen die zahlreichen und unterschiedlichsten Monster – findet ihr allerlei Gegenstände, Essenssachen und Materialen zum Bau neuer Waffen und Rüstungen oder zum Herstellen verschiedenster Tränke. Auch in diesem Segment mutet euch "Dragon's Dogma: Dark Arisen" schon von Beginn an eine Menge zu. Denn ihr und auch eure Mitstreiter können nicht unendlich viele Gegenstände mit sich tragen. Da ist es nur gut, dass ihr an vielen Stellen in der Spielwelt Zugriff auf eine Kiste habt, in der ihr alle Sachen verstauen und dort auch zu neuen Dingen kombinieren könnt. So eine Item-Flut kennt ihr höchstens aus Spielen wie "Diablo" und Konsorten. Aber es macht wirklich unglaublichen Spaß, die besten Kombinationen und Rezepte herauszufinden und dann auch effektiv zu nutzen. Natürlich durchwandert ihr in "Dragon's Dogma" die meiste Zeit das Spielgebiet auch ohne irgendwelchen bestimmten Aufgaben zu folgen. Dabei trefft ihr nicht selten auf Gegner, die einfach noch viel zu stark sind, um sie zu plätten. Nehmt dann am besten die Beine in die Hand und wenn ihr mächtiger geworden seid, dann werden die Viecher eben etwas später ihr blaues Wunder erleben. Heisser Tipp: Nehmt zu Beginn alle Mini-Missionen der Aufgaben-Bretter an, um schneller aufzusteigen. Folgt erst dann wieder der Hauptgeschichte, wenn die kleinen Aufgaben "abgefrühstückt" sind. Das sollte für weniger Frust und ein befriedigenderes Spielerlebnis sorgen. Im Laufe eures Abenteuers – das, sofern ihr noch vorhabt die Zusatzmissionen auf der "Schwarzen Insel" zu absolvieren, sich locker über 200 Stunden und mehr hinziehen kann – durchstreift ihr neben der Oberwelt auch zahlreiche finstere Höhlen, vergessene Tempel, scheinbar verlassene Ruinen und Untiefen, die ihr besser nicht betreten hättet. Für Spannung und Abwechslung ist auf jeden Fall reichlich gesorgt.

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Von der Chimäre im südwestlichen Wald, lasst ihr zu Beginn lieber erstmal die Finger. (© 2017 Capcom)

Was ist mit der Optik?

Schon damals war "Dragon's Dogma: Dark Arisen" sicherlich kein hässliches Entlein. Nur die breiige und inkonsistene Bildwiederholrate sowie die fetten schwarzen Balken am oberen und unteren Bildschirmran, stießen sauer auf. Nun läuft das Spiel fast durchgehend mit bombenfesten 30 Bilder pro Sekunde und auch die Textur-Details wurden massiv verbessert – die Balken gehören natürlich der Vergangenheit an. Teilweise ploppen Figuren und Umgebungsdetails noch unangenehm ins Bild, das ist aber letztlich schon dem Alter des Ursprungsmaterials geschuldet. Besonders die Animationen der großen Monster sind absolut sehenswert und die wuchtigen Licht- und Zaubereffekte in den Kämpfen stehen aktuellen Spielen in nichts nach.

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Die Optik von "Dragon's Dogma" ist in fünf Jahren recht gut gealtert. (© 2017 Capcom)
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Trefft ihr genau das Auge des Zyklopen, wird dieser für ein paar Sekunden kampfunfähig. (© 2017 Capcom)

Fazit: Der Preis ist heiß

Für Rollenspiel-Fans ist "Dragon's Dogma: Dark Arisen" ein absoluter Selbstläufer. Hersteller Capcom veranschlagt für das Remake einen Preis von fast schon lächerlichen 24,99 Euro. Da sollten sich auch Kenner des "Originals" nochmal genau überlegen, ob das nicht sinnvoll investierte Goldmünzen sind. Klar, zu Beginn erschlägt euch das Spiel mit Tiefe und Umfang, habt ihr aber erstmal alles verstanden, kennt der Forschungs- und Sammeltrieb keine Grenzen mehr. Und da noch verdammt viel Zeit vergehen wird, bis im Januar nächsten Jahres das ähnlich geartete "Monster Hunter World" für die Konsolen und den PC erscheint, ist "Dragon's Dogma" die perfekte Möglichkeit, diese Zeit wie im Fluge vorbeigehen zu lassen. Viel Spaß in Gransys und zeigt den Monstern, wo der Bartel den Most holt! Hier noch der aktuelle Trailer, der euch das Spiel noch einmal in Bildern näher bringt:

"Dragon's Dogma: Dark Arisen" ist ab dem 04. Oktober für den Preis von 24,99 verfügbar und hat die Altersfreigabe "Ab 16 Jahren".

Aufmacherbild: (© 2017 Capcom)

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