Das nervt tierisch an den neuen Superhelden-Filmen

Captain America - The First Avenger: Civil War

Schon seit ein paar Jahren sind die aufwändig produzierten Superhelden-Filme von Marvel und DC "der heiße Scheiß" der Branche. Und doch beginnen sie langsam, mit einigen Unarten zu nerven. Geht es euch auch so? Das sollten die nächsten Filme besser abstellen.

Du hast richtig Spaß an Figuren in Capes und Kostümen, die für das Gute kämpfen und dabei auch durchaus die Lacher auf ihrer Seite haben? Seit dem Megaerfolg von Marvel mit "Iron Man" und den "Avengers" will halb Hollywood unbedingt auch einen Superheldenfilm drehen. Dann sollten sie aber unbedingt folgende Ansagen beherzigen.

Keine langweiligen Bösewichte mehr

Ja, gut, Loki! Der war schon sehr gelungen und hat zu Recht eine große Fangemeinde, die hofft, dass Tom Hiddleston den Charakter noch sehr lange spielen wird. Aber sonst? Die meisten Gegenspieler in den bisherigen Marvel- und DC-Filmen waren doch eher langweilig. Und das lag weniger an den Schauspielern, die sie verkörperten, sondern hauptsächlich an nicht sonderlich originellen Motiven für ihre Taten. Ich will die Welt erobern! Ich bin eben böse! Ich mag Superman nicht! So richtig starke Gründe für ein extremes Fehlverhalten sind das nicht. Mal sehen, welche Motive Marvel seinem Erzbösewicht Thanos mit auf den Weg geben wird. Ansonsten gilt: Liebe Drehbuchschreiber, lasst euch doch mal etwas Originelles einfallen, warum der Bösewicht im Film so ist, wie er ist.

Thanos
Bleibt zu hoffen, dass Thanos im nächsten Avengers-Film wieder für etwas mehr interessante Bösewicht-Motivationen stehen wird. (© 2017 CC: Flickr/Pat Loika)

Nicht immer das gleiche Ende

Ok, Marvel, bis auf die Avengers-Filme hältst du dich ja mit apokalyptischen Szenarien ein wenig zurück und besinnst dich oft auf ein Finale, in dem der Held gegen seinen Widersacher kämpft. Manchmal geht dabei sogar nur ein wenig Kinderzimmereinrichtung kaputt. Aber DC? In "Man of Steel" wird am Ende halb Metropolis zerstört, es brennt und explodiert überall. In "Batman vs Superman" wird am Ende die halbe Stadt zerstört, es brennt und explodiert überall. In "Suicide Squad" wird am Ende die halbe Stadt zerstört, es brennt und explodiert überall. In "Wonder Woman" ….na ja, man kann drauf kommen, was da am Ende passiert. Und die Trailer zu "Justice League" sehen exakt so aus, als würde den halben Film etwas brennen und explodieren. Gibt es wirklich keinen anderen Schluss für einen Superheldenfilm?

Das ist nicht Shakespeare

Den richtigen Ton zu treffen, das ist nicht immer leicht. Manch einem wird beispielsweise der neue "Thor" vielleicht schon eine Spur zu albern sein. Aber was DC in den ersten Filmen, "Suicide Squad" vielleicht einmal ausgenommen, dem Publikum präsentierte, waren Männer in bunten Kostümen, die ihre Texte mit einer Ernsthaftigkeit aufsagten, als würden sie auf einer Theaterbühne stehen und Shakespeare spielen. Einen Grund zum Lachen suchte man da oft vergeblich. Zwar gibt es jetzt einen Lichtblick – nachdem Joss Whedon die "Justice League" von Zack Snyder übernahm, scheint ein wenig Humor in den Stoff gekommen zu sein – aber gerade die Herren über Superman und Batman haben in Sachen Unterhaltungswert durchaus noch Nachholbedarf.

Batman vs Superman
Superman kommt etwas zu ernsthaft rüber. Dank Joss Whedon hat der in "Justice League" hoffentlich wieder ein paar Lacher auf seiner Seite. (© 2016 DC)

Na, so ein Zufall

New York hat mehr als acht Millionen Einwohner – und Spider-Mans neuer Gegner ist ausgerechnet der Vater seines Schulschwarms? Echt jetzt? Klar, die Szene im Auto war cool, aber wie wahrscheinlich ist das bitte? Unendliche Weiten, unsere Milchstraße ist riesig – aber alle Infinity-Steine finden sich innerhalb weniger Jahre auf der Erde ein? Coole Ideen sind das Eine, aber halbwegs glaubwürdig dürften die Plots der Filmer gerne sein. Es macht einfach mehr Spaß, wenn man sich nicht alle fünf Minuten ungläubig an den Kopf fassen muss, weil ein Twist derart aus der Luft gegriffen ist wie bei einigen neuen Superheldenfilmen.

Ehret den Fan

Spider-Man im High-Tech-Anzug mit Netzdüsenvarianten? Thor ohne Hammer? Gerade Marvel hat sich 2017 in Sachen Comicumsetzung nicht mit Ruhm bekleckert. Klar, wer die Comics nicht kennt, dem sind die gravierenden Änderungen an manchen Helden wahrscheinlich völlig egal. Aber die kleine Gruppe derer, die die Figuren erst groß gemacht haben, indem sie die Comics kauften, fühlt sich zunehmend ignoriert. Und wenn Marvel und DC diese Fans als Basis für die Filme verlieren, verlieren sie ihre treuesten Zuschauer. Das kann einfach keine gute Idee sein. Also bitte, liebe Verantwortliche, dreht eure Helden nicht derart durch den Wolf, dass sie hinterher keiner mehr wiedererkennt – ein paar Lacher mehr oder nicht sollten da keine Rolle spielen.

Thor 3
Thor hingegen wurde zur völligen Witzfigur degradiert. Es muss doch eine goldene Mitte geben? (© 2017 YouTube / Marvel Entertainment)

Ehret den Moment

Zugegeben, es gibt nicht so viele bahnbrechende Superman-Storys in den letzten 25 Jahren. Aber eine davon war definitiv Supermans Tod. Und den drückt DC in "Batman vs Superman" in den letzten zehn Minuten mal eben noch mit rein? Als Comic war das eine epische Saga und hätte auch als Umsetzung allein einen eigenen Film verdient – und nicht so einen Wurmfortsatz am Ende des Films.

Und Sony, geht es noch? Einer der Momente, die den modernen Superhelden-Comic neu definiert haben, war der Tod von Gwen Stacy durch den Green Goblin. Eine Comicsaga, die mindestens einen ganzen eigenen Film verdient hätte. Und was macht ihr? Ihr tötet Gwen noch kurz vor dem Abspann, ansatzlos, ohne Vorbereitung? Wer so mies mit den größten Momenten der Comichistorie umgeht, muss sich nicht wundern, wenn die Fans den Film zerreißen.

Weniger ist mehr

Alle wollen Geld verdienen, das ist klar, aber man kann eine Kuh auch totmelken. Marvel ist momentan bei drei Filmen pro Jahr angekommen, DC bringt bereits zwei pro Jahr heraus. Dazu kommt Fox mit ebenfalls drei Marvelfilmen pro Jahr. Und Sony will auch jedes Jahr einen herausbringen. Sollte das noch weiter steigen und irgendwann jeden Monat ein neuer Superheldenstreifen in die Kinos kommen, dürfte sich die Begeisterung bald legen. Wäre es da nicht sinnvoll, ein wenig auf die Bremse zu treten?

Was meint ihr dazu? Was hat euch am meisten genervt bei den letzten Superheldenfilmen?

Aufmacherbild: (© 2016 The Walt Disney Company Germany GmbH)

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